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Foto: AP/Jens Meyer
Berlin – Die Botschaft ist knapp, aber unmissverständlich: „Folgen der US-Immobilienkrise belasten Konjunktur“ lautet der Titel des Frühjahrsgutachtens, den die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute am Donnerstag vorgelegt haben – in Zusammenarbeit mit den beiden Wiener Instituten Wifo und IHS. Abgesehen von der US-Krise werden der deutschen Wirtschaft heuer und im kommenden Jahr auch noch der hohe Ölpreis und der hohe Euro Probleme machen. Ihre Prognose vom Herbst nehmen die Forscher nun zurück. Sie erwarten für 2008 nicht mehr 2,2, sondern nur noch 1,8 Prozent Wachstum. 2009 soll es nur noch ein Plus von 1,4 Prozent sein, bis 2012 wird ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent vorausgesagt. Eine Rezession, wie sie in den USA droht, erwarten die Experten für Deutschland nicht. Deutschland müsse aber weiterhin mit einer hohen Inflationsrate rechnen. Heuer werden die Verbraucherpreise um 2,6 Prozent steigen, 2009 um 1,8 Prozent. Positiver ist der Ausblick auf den Arbeitsmarkt. Hier rechnen die Konjunkturforscher in diesem Jahr mit 3,2 Millionen Arbeitslosen, das wären 560.000 weniger als im Vorjahr. 2009 könnte sogar zum ersten Mal seit dem Jahr 1991 die Zahl der Arbeitslosen unter die Drei-Millionen-Marke fallen. Kritisch beurteilen die Institute die neue Großzügigkeit der deutschen Regierung – etwa die längere Auszahlung des Arbeitslosengeldes II an ältere Arbeitslose oder die außerplanmäßige Pensionserhöhung von 1,1 Prozent. "Unter dem Eindruck gut gefüllter Kassen hat der Staat seine Ausgaben merklich stärker erhöht als zuvor", monieren die Experten und raten von weiteren Wohltaten, Mindestlöhnen oder einem Konjunkturprogramm ab. Auch der deutsche Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegand fordert strikte Ausgabendisziplin. Es gebe keine Möglichkeit für größere Steuersenkungen, wie sie zuletzt immer wieder von der CSU gefordert worden waren. (bau, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18.3.2008)