Wien - Österreichs Spediteure lehnen die geplanten Bahntunnel durch den Brenner, den Semmering und den Koralm ab. Vielmehr sollten die großen Kapazitätsprobleme der ÖBB angegangen werden, wobei am dringendsten der Ausbau der Westbahn wäre. Weiters steht noch die Anbindung an Bratislava und der Ausbau der Engpässe der Teminals Linz, Wels und Wien ganz oben auf der Prioritätenliste der Güterbeförderer.

Der Hoffnung der Regierung, dass größere Teile des Straßen-Güterverkehrs künftig auf die Schiene verlagert werden, teilen die Spediteure nicht. Selbst bei einer maximalen Umstellung von der Straße auf die Schiene würde der CO2-Ausstoß des Verkehrs um lediglich 0,5 Prozent zurückgehen. Wenn jetzt auch noch die Bahn im Personenverkehr für Verspätungen Pönalen zahlen und Personen-Hochgeschwindigkeitszüge vermehrt eingesetzt werden, dann würden Güterzüge noch stiefmütterlicher behandelt.

Keine Lenkungseffekte

Da nütze es auch nichts, die Maut ständig nach oben zu treiben. Seit der Einführung der Lkw-Maut im Jahr 2004 habe diese keinerlei Lenkungseffekt in Richtung Bahn gehabt. Das werde sich auch durch die jüngste "überfallsartige" Erhöhung der Lkw-Maut im Rahmen der Inflationsanpassung nicht ändern, so die Meinung des Zentralverbandes Spedition & Logistik. Die Spediteure - sie bieten ihre Leistungen verkehrsträgerneutral an, sind also im Gegensatz zu Frächtern keine reinen Lkw-Betreiber - warnen vor einem heftigen Preisschub für die Konsumenten, sollte die EU-Wegekostenrichtlinie in ihrer Maximalform umgesetzt werden. Dieser EU-Vorstoß sieht vor, dass künftig auch die externen Kosten des Lkw-Verkehrs miteingerechnet werden (Umweltverschmutzung, Staus, Lärm, Umfälle, ...).

Diese Mehrkosten würden, wie schon bisher auch die österreichische Maut, 1:1 an die Kunden weitergegeben, so Elmar Wieland, Vorstandsvorsitzender von Schenker. Eine wettbewerbsrechtliche Problematik sieht die Branche darin nicht. Problematisch sei hingegen, dass das Öko-Musterland Österreich die Maut noch nicht ökologisiert hat - sprich sich die Mauthöhe nicht mehr nach der Anzahl der Achsen, sondern dem Schadstoffausstoß orientiert. Im Gegensatz zu früher fordern die Spediteure aber nun nicht mehr eine kilometerabhängige Pkw-Maut. Diese halte man zwar weiterhin für sinnvoll, man wolle sich aber nicht dem Zorn der Autofahrer aussetzen, so Harald Bollmann, Vize-Präsident des Fachverband bei einem Journalistengespräch.

Zulassung von "Gigalinern"

Überraschenderweise fordern die Spediteure nun doch die Zulassung von "Gigalinern", also Lkw mit 60 Tonnen Gesamtgewicht (in Österreich sind derzeit 40 Tonnen erlaubt). Noch vor einem halben Jahr hieß es aus der Branche: "Das fordern wir nicht einmal, das ist politisch sowieso nicht durchsetzbar." Beim Thema Agrotreibstoffe warnen die Spediteure vor Motorproblemen. Bei einer Beimischung von über sieben Prozent sei ein Motorumbau nötig. Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll (V) will bis 2010 den Anteil biogener Kraftstoffe auf 10 Prozent erhöhen. In der EU ist das erst 2020 geplant. Wolfgang Niessner, Vorstandsvorsitzender Gebrüder Weiss, merkte an, dass der weltweit zweitgrößte Lkw-Hersteller Volvo auf Hybridantrieb setze.

Für das heurige Jahr erwarten sich die Gütertransporteure ein gutes, aber nicht ganz so gutes Jahr wie 2007. Schuld daran sei der Wirtschaftsabschwung. Einen Aufschwung erhoffen sie sich jedenfalls bei der Kontinuität im Verkehrsministerium. Stefan Krauter, Geschäftsführer bei Cargo-Partner rechnete vor: Österreich hat in zehn Jahren sieben Verkehrsminister verbraucht - dabei dauert ein Logistik-Studium fünf Jahre. (APA)