Wien - Das vor genau 20 Jahren gegründete Kreditkartengesellschaft AirPlus, eine gemeinsame Tochter von AUA, Bank Austria sowie Lufthansa AirPlus, verspürt seit Ostern eine leichte Stagnation. Dies dürfte mit den verbreiteten Rezessionsängsten zusammenhängen, so Geschäftsführer Wolfgang Schneider heute bei der Bilanzpressekonferenz in Wien. Das erste Quartal sei noch sehr vielversprechend verlaufen. Der Quartalsumsatz sei um 10 Prozent auf 347,4 (315,9) Mio. Euro gestiegen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007 konnte AirPlus das Betriebsergebnis auf 3,57 (2006: 2,40) Mio. Euro verbessern. Das Ergebnis vor Steuern erreichte 2,65 (1,95) Mio. Euro, nach der Zufuhr von 650.000 Euro für Eigenmittel ergab sich unter dem Strich ein etwas geringerer Bilanzgewinn von 1,28 (1,34) Mio. Euro. Der Abrechnungsumsatz erhöhte sich im Vorjahr um 12 Prozent auf 1,34 (1,19) Mrd. Euro. Der Volumenszuwachs habe sich je zur Hälfte auf das Firmen- und Privatkundengeschäft verteilt, so Schneider.

Die Zahl der in Umlauf befindlichen Karten stieg um 8 Prozent auf 232.000 (215.000). Der durchschnittliche Umsatz pro Karte erhöhte sich auf 5.772 (5.557) Euro. Das sei deutlich mehr als bei den Mitbewerbern Visa oder MasterCard, mit deren Karten im Schnitt 2.500 bis 2.700 Euro umgesetzt werden. "Unsere Karten werden stärker im Firmenkundenbereich eingesetzt", so Schneider. Es werden 76 (78) Mitarbeiter beschäftigt.

86.000 Vertragspartner

AirPlus ist exklusiver Franchisenehmer von Diners Club in Österreich. Zur Zeit gibt es in Österreich 86.000 Vertragspartner bzw. Akzeptanzstellen. Seit 1. April konnte mit Spar die zweitgrößte österreichische Supermarktkette dazu gewonnen werden. Der Fokus soll auch weiterhin auf den Lebensmitteleinzelhandel gelegt werden.

AirPlus hält bei den ausgegebenen Kreditkarten in Österreich einen Marktanteil von 9,8 Prozent, bei der Zahl der Transaktionen von 15,1 Prozent und beim Abrechnungsumsatz von 19,7 Prozent. Der durchschnittliche Wert einer Transaktion betrug 141 Euro, verglichen mit 108 Euro im österreichischen Durchschnitt.

Schneider erwartet, dass der Wettbewerb unter den Kreditkartenanbietern in Österreich zunehmen, die Margen geringer werden. Derzeit gebe es in Österreich auf Grund der durch die EU erzwungenen Marktöffnung und -entflechtung bereits mehr als 20 Anbieter von Kredit- und Zahlkarten.

Weiteres Potenzial

Das Potenzial im Firmenkundengeschäft sieht Geschäftsführer Hanno Kirsch noch längst nicht ausgenutzt. Auf diese Bereich entfielen 2007 mit knapp 75.000 Kunden 684 (591) Mio. Euro (+12 Prozent) des Umsatzes. Von 58 im ATX-Prime gelisteten Unternehmen seien 48 Kunden bei AirPlus. Europaweit würde die Hälfte der Top-Unternehmen und weltweit 20.000 Unternehmen mit AirPlus abrechnen. Großes Potenzial sieht Kirsch in der Lkw-Mautabrechnung. Kernkompetenz bleibe aber die Abrechnung von Flugtickets. In diesen Bereich entfielen 65 Prozent des Umsatzes, zwei Drittel der in Österreich mit Kreditkarten gekauften Flugtickets werde über AirPlus abgerechnet. 13 Prozent des Umsatzes entfielen auf die Lkw-Maut, 22 Prozent auf sonstige Geschäftsausgaben wie Hotelmieten, Mietautos oder Geschäftsessen.

Im Privatkundengeschäft konnte mit den beiden Franchisegebern Diners Club und Visa ein Umsatzplus von 12 Prozent auf 655 (585) Mio. Euro erzielt werden. Geschäftsführer Karl Kainzner kündigte an, die Diners Club-Karte als "echte Kreditkarte" heuer stärker als Alternative zum verbreiteten Kontokorrentkredit der Banken bewerben zu wollen. Geboten wird ein Kreditzinssatz von 4,85 Prozent. Sehr gut entwickelt hätten sich Co-Branded Kreditkarten. Auch in Zukunft sollen Kooperationen eingegangen werden, die jüngste ist eine "Life Ball"-Karte. 0,5 Prozent des Umsatzes der weltweit gültigen Karte spendet AirPlus dem Verein "Aids Life".

Positive Auswirkungen auf das Privatkundengeschäft erwartet sich Kainzner von der jüngst erfolgten Übernahme von Diners Club International. Discover Financial Service zahlt an die Citigroup für Marke, Rechte, Mitarbeiter und das Netzwerk 165 Mio. Dollar.

Auswirkungen auf den Franchisevertrag habe die Übernahme keine. In den kommenden zwei bis drei Jahren werden die beiden Netzwerke zusammengeführt. Dadurch werden rund 50 Mio. US-amerikanische Discover-Karteninhaber bei alle 8 Millionen Diners Club-Vertragspartnern außerhalb der USA bezahlen können. Die rund 4 Millionen Vertragspartner von Discover in den USA, Mexiko und der Karibik werden Diners Club-Karten akzeptieren. (APA)