Wien - Gemälde und Collagen, die sich mit dem Beziehungsgeflecht von Körper und Raum auseinandersetzen, zeigt das Belvedere im Augarten Contemporary. Der Fokus der 27 Arbeiten von Monika Baer, Thomas Eggerer und Amelie von Wulffen, die unter dem Titel "Form und Grund" bis zum 31. August zu sehen sind, liegt in der Malerei als Speichermedium: "Die Spuren der Erinnerung setzen sich in mehreren Bildschichten ab", heißt es im Text zur Ausstellung.

Begegnen kann man diesem Prozess des Ineinandergreifens und sich Überlagerns von Räumen auf unterschiedlichste Weise, wie Kuratorin Eva Maria Stadler und Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco beim heutigen Pressegespräch erläuterten. Von Amelie von Wulffen, die an der Akademie der bildenden Künste in Wien eine Professur innehat, stammen jene titellosen Arbeiten, die mit Hilfe von Acryl, Aquarell und Fotos unwirkliche neue Räume entstehen lassen, die zwischen Erinnerung, Erlebnissen und Gegenständen schweben. Beinahe flüchtig wirken die großformatigen, aneinandergeklebten Papierbögen der 1966 in Breitenbrunn (Oberpfalz) geborenen Künstlerin. In einem der Werke, das mit Übermalung, Spiegelung und schließlich malerischer Fortführung einer Fotografie arbeitet, macht sie die Beziehung von Form und Grund besonders deutlich.

Soziale Gefüge sind für Thomas Eggerer der Ausgangspunkt seiner Collagen und Bilder. Er verschränkt Körperformen mit Architekturfassaden oder grafisch aufgelöste Flächen mit Geweben. So setzt er in der Arbeit "Rasenpflege" zwei Farbfotos von spielenden Kindern bei einer Rasensprenkelanlage sowie eines arbeitenden Mannes über eine Schwarz-Weiß-Abbildung eines Plattenbaus, der nur mehr in Ansätzen erkennbar ist. Der untere Teil des Bildes, der den abweisenden Vorplatz des Gebäudes zeigt, wurde mit einem Zeitschriftenausschnitt von auf den Kopf gestellten Beinen überklebt. Somit steht die Kleingartenidylle im Kontrast zur tristen urbanen Architektur, durch die Überklebung entsteht der ironische Kontrast beider Welten. Gänzlich anders arbeitet der 1963 in München und in Los Angeles ansässige Künstler in der Papierarbeit "Twilight Lagoon", in der er sich mit Acryl und Bleistift mit einer Vielzahl von Grüntönen einer trotz der scheinbaren Idylle bedrohlichen Naturszene widmet.

Mit Gegenstand und Effekt setzt sich die 1964 in Freiburg im Breisgau geborene Künstlerin Monika Baer in ihren Bildern auseinander. Sie konfrontiert präzise Formsetzung und Spontaneität miteinander und reflektiert somit Technik und Machart der Malerei. Ein immer wieder kehrendes Motiv in den ausgestellten Arbeiten ist das Fleischliche - im wahrsten Sinne des Wortes: Mehrfach integriert Baer in ihre Aquarelle diverse Wurstprodukte in Öl und hinterfragt so die Grenzen der Ästhetik.

"Form und Grund" ist eine Weiterführung dieser Debatten in der Malerei der 50er Jahre: Die Verschiebung der Begriffe biete so Möglichkeiten, sich mit den veränderten Bedingungen von Malerei auseinanderzusetzen. Kuratorin Eva Maria Stadler hob vor allem den "reflektierten Umgang" der ausgestellten Künstler mit bisher Dagewesenen und dem "bewussten Einsatz der Malerei" hervor. Am 12. Juni werden Editionen der Künstler präsentiert, die in geringer Auflage zur Ausstellung entstanden sind. (APA)