ModeratorIn: Lieber Herr Dr. Leitl, Danke fürs Kommen, liebe UserInnen wir freuen uns auf eine interessante Diskussion.

Christoph Leitl: Hallo liebe Chatter, ich freue mich auf eine interessante elektronische Begegnung! Ihr Christoph Leitl

UserInnenfrage per Mail: Ab heute tagt ja die Steuerreform-Kommission der Regierung, wie die Kuchenstücke verteilt werden. Haben Sie Ratschläge?

Christoph Leitl: Ja, habe ich, und zwar in 2 Richtungen. 1. Betriebe sichern. 2. Kaufkraft stärken.

UserInnenfrage per Mail: Eine "ordentliche Steuerreform bräuchte sechs Milliarden Euro", hat Ihr Generalsekretär Reinhold Mitterlehner am Wochenende erklärt. Wie hoch soll die Entlastung Ihrer Meinung nach ausfallen.

Christoph Leitl: Auch hier in 2 Richtungen. 1. Entlastung ohne Gegenfinanzierung mit 3 Mrd. Was darüber hinaus geht müsste gegenfinanziert werden und bedarf daher eingehenster Diskussionen, da in diesem Punkt die Leute zu Recht misstrauisch sind.

UserInnenfrage per Mail: Herr Matznetter hat vor kurzem gesagt, wer arbeitet ist der Dodel der Nation. Sehen Sie das auch so?

Christoph Leitl: Ich würde statt dem Begriff "Dodel" den Begriff Fairness für unsere Lastenträger verwenden. Daher auch mein Einsatz für ein Jahressechstel (13., 14.) für Selbständige!

Otto Ottinger: S.g Hr. Leitl, während der Privatkonkurs in Zukunft einfacher "sozialer" (?) werden soll wird Vermögensaufbau in Hinkunft bestraft. Welches Signal sendet diese Politik Ihrer Ansicht nach an die Bevölkerung?

Christoph Leitl: Konkurse dürfen nicht zu einfach sein, denn wer will nicht auf einfache Weise unbequeme Schulden abladen? Auf der anderen Seite soll redliches Scheitern nicht zu einer Kriminalisierung mit lebenslangen Folgen werden.

harald83 #1: guten tag herr leitl. als freiberufler in der kommunikationsbranche - als texter, grafiker usw. hat man keine lobby. auf die metaller oder beamten kann man deshalb eigentlich neidig sein. besonders hart, fast existenziell trifft viele von uns die st

Christoph Leitl: Ich weiß, dass Selbständige wesentlich mehr arbeiten, weniger Urlaub machen und auch weniger krank sind. Trotzdem leben sie länger, offensichtlich wirkt Freude mit der Arbeit gesundheitsfördernd und lebensverlängernd!

UserInnenfrage per Mail: Letzte Woche sprachen Sie sich auch für „Anreize für eine verstärkte Qualifikation der Arbeitnehmer“ aus. Wie sieht Ihr Konzept für das vorgeschlagene „Bildungskonto“ aus?

Christoph Leitl: Bildungskonto ähnlich wie das Bausparen: Wer 30 Euro pro Monat spart, soll 10 Euro von der öffentlichen Hand dazubekommen. Daneben sollen auch die Betriebe mit einem erhöhten Bildungsfreibetrag einen steuerlichen Anreiz für die Weiterbildung ihrer MitarbeiterInnen erhalten.

HerrACP: Was halten Sie von der restriktiven Zinspolitik der EZB? Die Inflation kommt derzeit vorallem von stark steigenden Rohstoffpreisen (allen voran Energie) und lässt sich wohl kaum durch Obenhalten der Zinsen bekämpfen. Eher wird das der Wirtschaft in

Christoph Leitl: Danke, ich bin 100% ihrer Meinung!

Felix Leiter 000: Sollte/Kann der öst. Staat Unternehmen unterstützen in nicht US Dollarmärkte zu exportieren? Ich stelle mir das in Art langfristiger günstiger Kredite vor, sonst werden einige diese Märkte vollkommen verlieren oder nie reinkommen. Die Produkte sind

Christoph Leitl: Ich verstehe die Sorgen im Dollarraum und daher rührt auch meine Kritik an der EZB. Da müssen wir durch und ich vertraue auf österreichische Qualität und Erfindergeist.

UserInnenfrage per Mail: Wie beurteilen Sie die "Flat-Tax"? Heimische Steuerexperten haben Sie vor kurzem als gerechter eingeschätzt. Sehen Sie das auch so und wären solche Pläne in österr. politisch durchsetzbar ?

Christoph Leitl: Im betrieblichen Bereich haben wir eine Flat-Tax. In den Einkommenssteuern bin ich für eine Entlastung des Mittelstandes, lineare Steuererhöhung statt progressive, in den unteren Einkommensbereichen müssen wir auf dem Lohnnebenkostensektor sprich Senkung der Sozialversicherungsbeiträge etwas für höhere Kaufkraft tun.

more ideas: Menschen die nichts erben haben Startnachteil ??? Auch schon in Ihrer Jugend !!!

Christoph Leitl: Stimmt. Aber kann man durch eigene Tüchtigkeit ändern!

Kanzlei.Dr.X: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Steuerreform und Reform von Bundesstaat und Verwaltungsgerichtsbarkeit?

Christoph Leitl: Ja, je mehr wir in der Bürokratie auf Basis einer Bundesstaatsreform sparen, desto mehr können wir unsere Steuerzahler entlasten.

Rafaela: Wie stehen Sie zum Familiensplitting?

Christoph Leitl: Für Familien müssen wir viel mehr tun. Ob das Splitting ist, bessere Betreuungseinrichtungen oder Absetzbarkeit für Betreuungshilfen werden wir in den kommenden Monaten diskutieren.

UserInnenfrage per Mail: ÖBG und Arbeiterkammer schlagen ein anderes Modell vor, den so genannten „Familienbonus“. Ihr Generalsekretär Mitterlehner bezeichnete diese Idee als „originell“. Was halten Sie davon?

Christoph Leitl: Auch der Familienbonus gehört in diesen Diskussionsbereich.

more ideas: Bundesstaatsreform seit x Jahren, es tut sich nix, wer blockiert !!

Christoph Leitl: System Mikado: Niemand will sich rühren, viele haben Angst vor Veränderungen. Moderner Föderalismus lebt von Bürgernähe und echten Kompetenzen, nicht aber vom Festhalten an zwischenzeitlich erstarrten Strukturen.

UserInnenfrage per Mail: Sie sprechen sich für das Jahressechstel (eine begünstigte Besteuerung für das 13. und 14. Monatsgehalt bei Angestellten) auch für Selbständige aus. Wie könnte eine diesbezügliche Regelung aussehen?

Christoph Leitl: Ganz einfach: Eine zusätzliche Zeile in der Steuererklärung die eine sechstel Begünstigung vorsieht und damit die Bemessungsgrundlage für die reguläre Steuer reduziert.

harald ecke: Sie haben sich eben für Senkung der Sozialversicherungsbeiträge ausgesprochen (zwecks Kaufkrafterhöhung). Wie sollen die kranken Kassen dann finanziert werden.

Christoph Leitl: Das müsste vom Bund refundiert werden, da es ja Teil einer Steuerreform des Bundes ist.

Schreck: Finden Sie angesichts der immer größer werdenden Einkommensschere und der Auflösung des Wohlfahrtsstaates den Spruch "Gehts der Wirtschaft gut gehts uns allen gut" nicht mittlerweile auch furchtbar zynisch

Christoph Leitl: Sagen Sie mir ein Land in dem es der Wirtschaft schlecht geht, aber den Menschen dennoch gut. Nur eine starke Wirtschaft kann Jobs schaffen und Steuern zahlen, die letztlich uns allen zu Gute kommen.

criticus maximus: Wie stehen Sie zu einer Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber/-innen?

Christoph Leitl: Wer legal in Österreich lebt, soll auch hier arbeiten.

Harald Katzengruber: Guten Tag! Herr Leitl, es wird oft (u.a. auch von vielen Wirtschaftsexperten) darüber gesprochen, das der Konsum in der Eurozone so "schleppend" sei und man ihn "ankurbeln" müsse. Nun, wenn ich mich so umsehe in Österreich, dann wird eigentlich sehr

Christoph Leitl: Auch sparen ist wichtig in einer Volkswirtschaft. Die Stärkung der Kaufkraft und ein stärkerer Konsum ist dann richtig, wenn er nicht wie in den USA ungesund aufgeblasen wird. Davon sind wir in Österreich meilenweit entfernt.

Die Kraft der heilenden Steine: mit Sorge beobachte ich in Mitteleuropa ein Erstarken linkspopulistischer Tendenzen , die offenbar auf den nicht vorhandenen wirtschaftlichen Verstand weiter Bevölkerungsschichten spekulieren. Hat die Wirtschaftskammer hier nicht punkto Erziehung zu

Christoph Leitl: Hatz bewirkt niemals etwas, außer Emotionalisierung und Polarisierung. Gerade davon leben politische Extrempositionen. Ich bekenne mich zu einer sozialen und humanen Marktwirtschaft.

hoqq: Sg Herr Leitl! Ich hatte letztes Jahr einen Ferienjob in der Schweiz als Bueroaushilfe. Bei einem Bruttogehalt von umgerechnet 2400 Euro erhielt ich netto 2100 Euro! In Oesterreich haette ich nur 1570 Euro erhalten (und den Arbeitgeber 3150 Euro gek

Christoph Leitl: Der Fairness halber ersuche ich Sie Ihre Abgaben in der Schweiz und in Österreich zu vergleichen. In Österreich wird mit diesen Abzügen viel in Bereichen vorgesorgt, die Sie in der Schweiz privat von Ihren versteuerten Einkünften bezahlen müssen.

UserInnenfrage per Mail: Sind Sie dafür, dass der Spitzensteuersatz gesenkt oder erhöht wird?

Christoph Leitl: Wenn wir den 13., 14. (Jahressechstel) auch für Selbständige einführen, dann hat Österreich einen Spitzensteuersatz von 43%, was im internationalen Vergleich vertretbar ist, obwohl ich gern dann in Richtung 40% gehen würde.

UserInnenfrage per Mail: Wie soll die Vermögenszuwachssteuer konkret ausgestaltet sein?

Christoph Leitl: Zur Gesundheitsfinanzierung brauchen wir die Vermögenszuwachssteuer nicht. Im Zuge der Steuerreform will ich über Entlastungen reden, nicht über neue Belastungen.

liberal0r: Sehr geehrter Herr Leitl. Ist es in einer modernen, sich steitg ändernden Marktwirtschaft wirklich nötig, die die Kammern in die Verfassung aufzunehmen. Ist das nicht ein eher populistischer Anachronismus, der an den realen Gegebenheiten und Fragen

Christoph Leitl: 1. Die Kammern stehen nicht in der Verfassung, schon gar nicht die Kammergesetze. Organisationen und Finanzierung der Kammern können jederzeit vom Parlament mit einfacher Mehrheit geändert werden. 2. Im Zuge einer Aufzählung der österreichischen Werte, ist auch Sozialpartnerschaft und soziale Selbstverwaltung mit gesetzlicher Mitgliedschaft angeführt. Gegenüber dem derzeitigen Rechtszustand ändert dies aber gar nichts.

hoqq: Ich habe in den aktuellen Steuerdiskussionen oft den Eindruck, man moechte das Reich-werden verhindern. Sollte es nicht vielmehr das Ziel sein, einen sozialen Mindeststandard zu garantieren als oben einen Deckel einzuziehen?

Christoph Leitl: Selbstverständlich stehe ich für soziale Mindeststandards und ich will unsere Leistungsträger motivieren und nicht frustrieren. Ich muss allerdings zugeben, dass die Diskussion auch um Riesenzahlungen für erfolglose Manager angeheizt wurde, wodurch auch die 99% die tolle Leistungen erbringen und daher auch zu Recht gut verdienen betroffen sind.

Wunderwuzzi007: Der österreichische Steuerzahler liefert 29% des BIP an Steuern an den Staat. Der vergleichbare Wert für Deutschland bzw. Schweiz liegt bei 21%. Wir liefern um fast 50% mehr Steuern ab, als die beiden genannten (vergleichbaren Länder). Wäre es nicht

Christoph Leitl: Der Vergleich mit der Schweiz hinkt, weil unsere Sozialsysteme zu einem Gutteil aus den höheren Abgaben finanziert werden. In der Verschlankung gebe ich Ihnen Recht, viele Doppelgleisigkeiten müssten beseitigt werden. Das bringt mehr als der Entfall einer Verwaltungsebene.

Grillparzer: Sehr geehrter Herr Leitl, finden Sie nicht, dass die Vermögenszuwachssteuer die eh schwache Aktienkultur in Österreich abmurkst und die Aufforderung konterkariert, jeder Österreicher möge auch privat für das Alter vorsorgen?

Christoph Leitl: Ich teile Ihre Sorge, daher gefällt mir diese Diskussion nicht. Hat man eigentlich schon einmal daran gedacht, dass wenn so wie heuer die Aktienkurse sinken die öffentliche Hand aus einer solchen Steuer keine zusätzlichen Einnahmen sondern Mindereinnahmen hätte??

liberal0r: Ich habe Sie auf vielen Veranstaltungen als scharfsinnigen und intelligenten Wirtschaftsvertreter erleben können, der viel von gemeinsamen Werten spricht. Meinen Sie, die österr. Wirtschaft sollte sich ohne Kritik in Diktaturen wie Belarus engagiere

Christoph Leitl: Danke für die Blumen. Eine Diskussion über dieses Thema wäre spannend. Ich persönlich vertrete die Meinung, dass gerade wirtschaftliche, kulturelle und persönliche Kontakte für Diktaturen viel gefährlicher sind als Versuche sie zu isolieren. Der Fall des Kommunismus bestärkt diese Ansicht.

UserInnenfrage per Mail: Eines der häufigst genannten Schlagworte in der Steuerreformdebatte ist die Mittelstandsentlastung – was würde das für Sie bedeuten?

Christoph Leitl: Lineare statt progressive Entwicklung des Steuersatzes.

UserInnenfrage per Mail: IHS-Chef Felderer hat jüngst die Hoffnung geäußert, die Steuerreform finanziere sich von selbst. Teilen Sie diese Hoffnung?

Christoph Leitl: Das ist keine Hoffnung, sondern eine Rechnung die sich auch in der Vergangenheit bestätigt hat. Die österreichischen Betriebe zahlen soviel Steuern wie nie zuvor, obwohl die Sätze im Zuge der letzten Steuerreform gesenkt worden sind.

more ideas: Ewiger akademikermangel ( nur agesichts Pädak, und HTL nur oberflächliches Problem ) ??? oder doch eines !!!

Christoph Leitl: Für mich ist auch im internationalen Vergleich ein HTL-Absolvent einen Bachelor gleichwertig. Damit liegt unser Akademikeranteil durchaus im internationalen Vergleich. PS: Zukunftchance Technik!

Barney Gumble1: Sehr geehrter Herr Leitl, in letzter Zeit kam öfter in die Schlagzeilen, wie viel so manche Manager an Abfertigung kassieren. Ich denke da an Asfinag und ÖBB.

Christoph Leitl: Genau das meinte ich auch bei meiner vorhin geäußerten Kritik.

UserInnenfrage per Mail: Wie zufrieden sind sie mit der bisherigen und aktuellen Performance der "Großen" Koalition?

Christoph Leitl: Die Arbeit müsste stärker auf das Miteinander und weniger auf das Gegeneinander konzentriert werden. Dann wäre auch das äußere Erscheinungsbild besser und die Sympathiewerte für alle Beteiligten höher.

UserInnenfrage per Mail: Wenn würden Sie entlasten, wenn belasten?

Christoph Leitl: Grundsätzlich rede ich jetzt einmal nur über Entlastung.

more ideas: Erbschaftssteuer ???

Christoph Leitl: Gehört weg. Bringt wenig, verunsichert viele, unnotweniger Bürokratieaufwand, schwächt Betriebe bei Übergaben in die nächste Generation.

Harald Katzengruber: Eine Vorstellung der SPÖ im Zuge der Steuerreform wäre die Wiedereinführung des Investitionsfreibetrages. Was wäre ihr Vorschlag, um die Investitionen, speziell in Forschung und Entwicklung - denn dort liegt mMn die Chance schlechthin für ein Hochlo

Christoph Leitl: Ich teile Ihre Meinung, dass Bildung und Forschung die Schlüssel für den Erfolg unseres Landes sind. Daher die bestehenden Absetzbeträge ausweiten, z.B. von 20 auf 40% für Weiterbildung der Generation 45+.

Grillparzer: Sehr geehrter Herr Leitl, ich bitte Sie um eine Prognose: Wird die Vermögenszuwachssteuer kommen, oder wird die Koalition noch rechtzeitig kapieren, dass diese Steuer eine Schnapsidee ist?

Christoph Leitl: Schauen wir einmal. Die Diskussion hat ja eben erst begonnen. Ich bin zuversichtlich, dass wir sie zumindest für den vorgesehen Zweck der Finanzierung des Gesundheitswesens nicht brauchen, siehe Sozialpartnervorschläge!

hoqq: Ich hab heute fuer einen Verein, der auch einen kleinen Online-Shop betreibt, 153 Euro Wirtschaftskammer-Grundumlage bezahlen muessen . Was bekomme ich dafuer

Christoph Leitl: Wenn Sie Einnahmen-Ausgabenrechner sind, einen 10%igen Investitionsfreibetrag, 3 Jahre Gewinn- und Verlustausgleich und seit 1. Jänner eine Zukunftsvorsorge ohne Mehrkosten analog zur Abfertigung neu bei den Unselbständigen.

Aufreger: Funktioniert der Arbeitsmarkt in Ö Ihrer Meinung nach effizient? Einerseits werden ja mehr Fachkräfte/Akademiker gesucht/gefordert, andererseit sieht man die dazugehörenden Gehälter nicht wirklich steigen. Ist es nicht so das die Wirtschaft immer ve

Christoph Leitl: Fachkräfte werden gut bezahlt, sonst bekommt man sie nicht. Wir müssen in unserer Ausbildung daran denken, dass insbesondere technische Berufe eine tolle Zukunft haben.

Lazarsfeld: Wie sehen Sie die Rolle der Wirtschaft in der Zukunftsfrage "Kinder"? Werden sich nur mehr die Reichen und die Armen aus den Entwicklungsländern mit ihrer traditionellen Orientierung Kinder leisten können?

Christoph Leitl: Wir müssen die Vereinbarkeit Beruf und Familie verstärken und insbesondere die Betreuungseinrichtungen wesentlich verbessern. Kinder dürfen keine Frage des Geldes sein, sondern eine Frage der Freude und des Lebensinhaltes.

UserInnenfrage per Mail: Wo sehen Sie eine Schieflage im Steuersystem und wie würden Sie eine solche korrigieren?

Christoph Leitl: Diskriminierungen beseitigen, lineare statt progressive Besteuerung soll Fairness und Lastengleichheit bewirken.

Hundeknochen: An wen zahlen wir die 2Mrd. Euro Strafe für die zu hohen Emissionen?

Christoph Leitl: Das geht über die Börse die Zertifikate ausgibt. Es liegt an uns dafür zu sorgen, dass wir nicht 2 Mrd. Euro bezahlen. Die Wirtschaftskammer hat ein Konzept entwickelt nachdem es wenn wir das richtige tun deutlich billiger wird. Taten statt Worte sind gefragt, z.B. bei der thermischen Sanierung!

Gusi Mama: Wachstum, Konsum, Geld. In meinem persönlichen Umfeld finde ich mehr und mehr Leute, die sich von diesen "Werten" weitgehend trennen. Neue Arbeits- und Lebensmodelle sind im Anmarsch. Stehen wir am Beginn einer Epochenwende?

Christoph Leitl: Wachstum, Konsum und Geld sind für mich an sich keine Werte, sondern nur Instrumente um sich Lebensträume erfüllen zu können. Und da soll sich jeder selbst seine Arbeits- und Lebensmodelle definieren.

ImmerSachlich: Was halten Sie davon, anstelle einer Vermögenszuwachssteuer z. B. einen Zuschlag auf Ordergebühren bei jeder An- und Verkaufstransaktion einzuheben? Diesen könnten die Banken für jede in Österreich getätigte Transaktion einheben. Natürlich wäre mir

Christoph Leitl: Wie gesagt: Für die Finanzierung des Gesundheitssystems brauchen wir eine Vermögenszuwachssteuer nicht. Siehe Sozialpartnerpapier.

Andreas Ponik: S.g. Herr Leitl Wie stellen Sie sich eine lineare Steuer vor ? Ab welchem Gehalt soll der Einstieg erfolgen, wie soll die Steuerlast nach oben gehen, und ginge die Steuer gar über 50 % ? Denn bei einer linearen Entwicklung, gäbe es wieder viele Ver

Christoph Leitl: Unter linear verstehe ich, dass es keine Stufen mehr gibt. Wo die einzelnen Einstiegsstufen sich befinden hängt vom Volumen ab das es zu bedecken gilt.

Tobias Giordano: Warum verwendet man noch immer nicht das Instrument Steuerpolitik für positive Anreize? Steuern belasten Unternehmer und Angestellte/Arbeiter gleichermaßen. Wenn beide Seiten durch gesunde Steueranreize entlastet werden, würden Ängste wie Jobverlust

Christoph Leitl: Ich glaube wir sind im Umdenken. Ich setze immer auf Anreize, weil solche motivieren, wie Sie richtig ausführen!

Ernesto Chavez: Die grossen Einkaufszentren spriessen wie Schwammerln aus dem Boden, während kleine Einzelhändler in den inneren STadtgebieten und Dörfern aussterben. Es droht eine Amerikanisierung der Städte mit Bürovierteln und Dienstleistern in der Inennstadt (D

Christoph Leitl: Danke für die Darstellung des Problems, Sie sprechen mir aus der Seele! Gegenmaßnahmen: Raumordnungsprogramme der Bundesländer und einen interkommunalen Finanzausgleich zwischen den betroffenen Gemeinden. Dazu eine aktive Förderung der örtlichen Nahversorgung!

Markus Renner: Wann übernehmen Sie endlich die ÖVP? Sie wären immer noch der bessere Regierungschef einer schwarz-roten oder schwarz-grünen Koalition.

Christoph Leitl: Ich bin so eingebildet zu glauben, dass ich in meiner Funktion in der Wirtschaft und der Sozialpartnerschaft mehr bewegen kann als in den Niederungen der Parteipolitik.

Grönländischer Geheimdienst: offtopic fingerprints: Herr Leitl, ihr Parteikollege Platter will nun Fingerprints in den Reisepässen aller Österreicher. Eine EU-Fingerprintdatenbank mit Zugriffsrecht der US-Geheimdienste. Was haben wir verbrochen?

Christoph Leitl: Meinen Fingerprint können sie ruhig haben. Den Amerikanern empfehle ich mehr Sicherheit durch faire politische Ordnungen auf der Welt zu schaffen. Das bringt mehr als hoch gezüchtete Waffentechnologie und Hunderte Kontroll- und Überwachungssysteme. Dem Terrorismus muss man die Grundlage durch politische und soziale Stabilität entziehen. Die globale Wirtschaft kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten, auch und gerade wir Österreicher!

Ernesto Chavez: Sg. Herr Leitl, sind Sie auch Rapidler, sowie der Bundeskanzler oder was ist ihre Lieblingsmannschaft im Fussball (als Oberösterreicher: vielleicht der LASK?)

Christoph Leitl: Sie tippen richtig: Mein Herz schlägt für den LASK, aber ich gratuliere allen Rapidanhängern herzlich zum Meistertitel!

ModeratorIn: Lieber Herr Dr. Leitl, danke, dass Sie sich die Zeit für unseren Chat genommen haben, liebe UserInne, danke für die zahlreichen Fragen, die wir leider wieder einmal nicht alle beantworten konnten. Allen noch einen schönen Tag.

Christoph Leitl: Auch meinerseits besten Dank, es war spannend! Sollten Sie nicht mit Ihrer Frage durchgekommen sein, beantworte ich sie gerne: christoph.leitl@wko.at.