Wien - Das Pflichtangebot der Beteiligungsgesellschaften UIAG und Cross Industries für die börsenotierte Softwarefirma Brain Force ist vorerst nur auf geringes Interesse gestoßen. Nach Ablauf der ersten Annahmefrist halten die beiden Gesellschaften zusammen mit dem Softwareunternehmen Beko, mit dem sie einen Stimmbindungsvertrag geschlossen haben, jetzt 34,16 Prozent der Anteile, teilte das Unternehmen am Montag mit. Vor dem Pflichtangebot waren es 30,18 Prozent gewesen. Am morgigen Dienstag beginnt jetzt die gesetzliche Nachfrist von drei Monaten zu laufen. Sie endet dann am 22. Juli 2008.

Mit 2,40 Euro je Brain Force-Aktie bieten die Investoren derzeit knapp 28 Mio. Euro für die restlichen Anteile. In der Vorphase Mitte Februar hatten sie das Angebot bereits um 10 Cent je Aktie aufgestockt. Eine neuerliche Aufstockung sei nicht geplant, bekräftigte UIAG-Vorstand Herbert Paierl am Montag auf APA-Anfrage. "Wir sind überzeugt, dass das ein fairer und angemessener Preis ist." Und: "Wir halten uns an die gesetzlichen Bestimmungen", so Paierl.

Keine Komplettübernahme angepeilt

In ihrem Übernahmeangebot haben UIAG und Cross ausdrücklich erklärt, dass sie keine Komplettübernahme anpeilen. Die Gesellschaft wolle "lediglich die Mehrheit" erlangen. Eine qualifizierte Mehrheit von 75 Prozent oder mehr sei nicht angestrebt. Paierl betonte, auch mit über 30 Prozent seien die Investoren "mit Abstand die größten Aktionäre" der Brain Force und damit in einer "komfortablen Position". Daher sehe man der weiteren Entwicklung des Pflichtangebots in der Nachfrist gelassen entgegen, so Paierl.

Vorstand und Aufsichtsrat von Brain Force haben zuletzt keine Empfehlung über Annahme oder Ablehnung des Angebots abgegeben. "Die Einschätzung, ob das Angebot vorteilhaft ist oder nicht, kann nur jeder Aktionär aufgrund seiner individuellen Situation treffen", erklärte der seit September amtierende Unternehmenschef Günter Pridt. Zwar liege das Angebot unter dem aktuellen Börsekurs von zuletzt 2,50 Euro, wobei es durch die neuen Haupteigentümer und die Restrukturierung auch noch Potenzial nach oben gebe. Auf der anderen Seite stehe die Reorganisation "erst am Beginn, was einige Unsicherheit und Risiken birgt". "Die Gesellschaft hat operativ einige Herausforderungen zu bewältigen", betonte der Vorstand.

Die Investoren wollen das Unternehmen unter der Cross-Holding in einen "Branchen-Cluster" einbinden. An der UIAG ist die Cross-Holding des Industriellen Stefan Pierer derzeit mit 50,06 Prozent beteiligt. An der Beko Holding AG hält Cross wiederum über 25 Prozent. (APA)