Krems - Der Prozess um den Giftanschlag auf den Bürgermeister von Spitz an der Donau (Bezirk Krems), Hannes Hirtzberger, hat am Montag unter großem Publikums- und Medieninteresse am Landesgericht Krems begonnen. Der Angeklagte Helmut O. sonnte sich zunächst im Blitzlichtgewitter der Fotografen und bekannte sich anschließend nicht schuldig, eine Praline mit Strychnin versetzt und dem Opfer mit einer Grußkarte unterschoben zu haben. Ein Urteil ist für Montag eher nicht zu erwarten.

Der 56-Jährige leugnete, überhaupt ein Motiv für einen Mordanschlag auf Hirtzberger zu haben: "Wir kennen uns seit 35 Jahren, sind miteinander per Du! Er war mein Anwalt, ich habe ihn auch meinem Vater als Anwalt empfohlen. Sie können keinen Hass von mir auf den Bürgermeister konstruieren!" Helmut O. weiters: "Ich habe den Bürgermeister nicht vergiftet! Ich habe nichts hinter dem Scheibenwischer an seinem Pkw deponiert!", bekräftigte der 56-Jährige.

Frage nach der Grußkarte

Auf die Frage, wie seine DNA auf die Grußkarte gelangt sei, die offensichtlich der präparierten Praline beigelegt wurde, antwortete Helmut O. zunächst mit der Bemerkung: "Das habe ich mir die letzten drei Monate, die ich unschuldig im Gefängnis gesessen bin, oft genug überlegt." Dann meinte er sinngemäß, es sei einfach, die DNA von jemandem zu beschaffen, um diesen zu belasten, "wenn man's drauf anlegt". Er deutete an, man habe sich offenbar in seinem Lokal seine DNA beschafft, um den Verdacht auf ihn zu lenken.

Sein Verteidiger Nikolaus Rast hieb in die selbe Kerbe: O. hätte "kein Motiv" für die Tat gehabt. Die Gemeinde Spitz an der Donau sei an den Beschuldigten herangetreten und habe ihn bei den Plänen für ein Thermalhotel unterstützt. Dies hätte auch die dafür nötige Umwidmung auf dem Anwesen von O. in Bauland betroffen. Von der Anklage angeführte Probleme mit dem Denkmalamt würden für ein angebliches Motiv laut Rast ebenfalls nicht passen. Wenn das Denkmalamt in Kontext mit dem Fall gebracht werden würde, so wäre der Beschuldigte wohl eher auf einen Vertreter dieser Institution, nicht aber auf Hannes Hirtzberger wütend gewesen.

DNA-Spur

Ebenso ging Rast auf die DNA-Spur ein, die auf der Grußkarte gefunden und dem 56-jährigen Beschuldigten zugeordnet wurde. Diese könne zufällig dort hingekommen sein. Ebenso denkbar wäre, dass eine unbekannte Person O. die Karte gegeben habe, er greife diese an und schon sei die DNA-Spur darauf zu finden, so Rast.

Staatsanwalt Friedrich Kutschera hegte in seinem Eröffnungsplädoyer hingegen keinen Zweifel, dass Helmut O. es war, der am 8. Februar 2008 am Pkw des Spitzer Bürgermeisters Hannes Hirtzberger ein mit 700 mg Strychnin versetztes Mon Cheri hinterließ, das dieser am nächsten Morgen zu sich nahm. Als Motiv führte der Ankläger in seinem Eröffnungsplädoyer Hass ins Treffen: O. habe "zurecht oder zu Unrecht" vermutet, dass der Bürgermeister der Umwidmung seines Klosterhofs im Wege stand.

"Schwarze Liste

Verkaufspläne bezüglich seines Klosterhofs hätten sich jedoch zerschlagen, als Ende 2007 als weiteres Hindernis für die nötige Umwidmung das Denkmalamt auf den Plan trat: "Er hat hinter allem Doktor Hirtzberger vermutet. Er hat auf ihn deswegen einen Hass gekriegt." Helmut O. hätte eine "schwarze Liste" angelegt, an deren Spitze der Ortsvorsteher stand, so der Ankläger. "Überführt werden konnte er durch die DNA-Spur auf dem Billett", betonte Kutschera. Neben dem Mon Cheri hatte Hirtzberger an seinem Pkw eine ursprünglich mit Plastikfolie verschweißte Grußkarte vorgefunden, auf deren Innenseite im Zuge der polizeilichen Ermittlungen der genetische Fingerabdruck des Heurigenwirten sichergestellt werden konnte.

Eine andere Sicht der Beziehung zwischen ihrem Mann und dem Angeklagten hatte die Frau des Opfers, Renate Hirtzberger. Sie berichtete davon, dass es immer wieder Probleme zwischen ihrem Ehemann und dem Beschuldigten gegeben habe. Nach Bekanntwerden des Falles habe Helmut O. zu ihr gesagt: "Es tut mir leid, dass es deinem Mann schlecht geht." Zum Gesundheitszustand von Hannes Hirtzberger meinte sie: "Es geht ihm sehr schlecht. Er kann sich nicht bewegen und wird künstlich ernährt." (APA)