Wien - Die ungebrochene internationale Nachfrage und die zurückhaltende Politik des Exportkartells OPEC sind zwei der ausschlaggebenden Faktoren, "warum wir dieses Jahr zum ersten Mal die Situation eines 'Supply Crunch', einer Versorgungskrise, darstellen", sagt Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA) in einem dieser Tage veröffentlichten Magazin-Interview. Ein solcher Engpass würde weiter "eskalierende Ölpreise" bedeuten.

Bei der Ölförderung gebe es ein "steiles Absinken der Fördermengen aus den existierenden Ölfeldern, speziell in der Nordsee, den USA und etlichen Nicht-OPEC-Ländern", so Birol in einem Interview mit der Zeitschrift "Internationale Politik". Selbst wenn alle bereits finanzierten Projekte in den nächsten Jahren realisiert würden, fehlten 12,5 Mio. Barrel pro Tag. Des entspricht etwa 15 Prozent des Weltverbrauchs (inklusive Biosprit).

Zweifel hat Birol an der Bereitschaft der Staaten in der Golfregion, ihre Förderung weiter auszubauen. "Allerdings bin ich mir nicht sicher, dass diese Staaten und ihre Ölgesellschaften so viel investieren werden, wie nötig wäre, da sie möglicherweise denken, es liegt nicht in ihrem Interesse, die Produktion stark zu erhöhen, damit die Preise hoch bleiben", sagte Birol.

"Vom Öltropf loslösen"

Die stellvertretende Chefin der Grünen, Eva Glawischnig, hat am Montag gefordert, die Österreicher müssten sich vom immer teurer werdenden Öltropf lösen. Die Warnungen des IEA-Chefökonomen Fatih Birol zeigten, wie dringend ein brauchbares Ökostromgesetz sei.

Glawischnig verlangte eine Umstiegsförderung für Heizöl "für jeden" und "finanzielle Anreize, auf sparsame Autos umzusteigen" sowie den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. (APA)