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Grafik: APA
Wien - Österreichs Wirtschaftsentwicklung wird sich nach der prognostizierten Verlangsamung in den Jahren 2008 und 2009 wieder in Richtung "Potenzialwachstum" bewegen, so der stellvertretende IWF-Direktor für Europa, Ajai Chopra, heute, Dienstag, bei einem Pressegespräch in Wien. Unter Potenzialwachstum verstehen Ökonomen die langfristig mögliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) bei normaler Kapazitätsauslastung.

Der IWF hat wie berichtet in seinem jüngsten Ausblick seine Wachstumsprognose für Österreich für 2008 und 2009 signifikant zurückgenommen. Für das laufende Jahr prognostiziert das Institut ein BIP-Wachstum von nur mehr 1,9 Prozent nach noch 2,5 Prozent im Herbst des vergangenen Jahres. Für 2009 werden 1,7 Prozent erwartet. 2007 sollte Österreichs Wirtschaft laut IWF-Einschätzung um 3,4 Prozent gewachsen sein.

OeNB-Prognose dürfte etwas höher ausfallen

Die im Juni anstehende neue Prognose der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) werde wahrscheinlich "ein wenig höher" als die des IWF ausfallen, so OeNB-Direktor Josef Christl. Zum Vergleich: die Nationalbank prognostizierte zuletzt im Dezember für 2008 und 2009 ein Wirtschaftswachstum von 2,5 bzw. 2,3 Prozent. Wifo und IHS haben ihre Ausblicke bereits Ende März für heuer von zuletzt erwarteten 2,2 bis 2,4 Prozent auf jeweils 2,1 Prozent gesenkt und gehen für 2009 von nur noch 1,7 bzw. 2,2 Prozent Plus aus.

Laut Chopra war das Wirtschaftswachstum in Österreich in den vergangenen Jahren sehr stark. Der Abschwung in diesem und dem kommenden Jahr erfolge parallel mit den wichtigsten Handelspartnern.

Das heutige IWF-Pressegespräch in Wien war hauptsächlich der wirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern Ost- und Südosteuropas gewidmet. Für die aufstrebenden europäischen Volkswirtschaften erwartet der IWF eine Wachstumsabschwächung von 6,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 5,5 Prozent heuer und 5,2 Prozent 2009. In den meisten Ländern lagen die Wachstumsraten in den letzten Jahren über dem Potenzialwachstum, eine Anpassung finde aber bereits statt, so Chopra. Das schnelle Wachstum gehe in einigen Ländern mit steigenden außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten wie großen Leistungsbilanzdefiziten oder einer hohen Auslandsverschuldung einher, wodurch die Gefahr einer harten Landung und Anfälligkeit gegenüber Schocks erhöht werde. Rahmenbedingungen und Strukturreformen müssten stärker darauf ausgerichtet werden, diese Ungleichgewichte abzubauen, um eine reibungslose Konvergenz in den europäischen Schwellenländern zu sichern. (APA)