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Nach einer Umfrage unter den 33.000 Mitgliedern des Verbandes seien 88 Prozent der Betriebe zum Lieferboykott bereit.

Foto: APA/dpa/Heiko Berner
Berlin - Im Regal gibt es Brot, es gibt auch Obst und Gemüse - aber Konsumenten finden keine Milch mehr. Dieses Szenario könnte in deutschen Supermärkten bald Wirklichkeit werden, wenn sich die deutschen Milchbauern, der Handel und die Molkereien nicht einig werden. Denn wegen des Preisrutsches bei Milch in Discountläden droht der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) mit einem Lieferstopp. "Sinken die Preise wie zu erwarten weiter, dann bleibt uns kaum eine andere Möglichkeit", sagt BDM-Geschäftsführer Thorsten Sehm.

Während Konsumenten weltweit einen Anstieg der Lebensmittelpreise beklagen, ist bei Milch in Deutschland genau das Gegenteil der Fall. Zu Wochenbeginn haben die führenden Lebensmitteldiscounter Aldi (Hofer), Rewe und Lidl ihre Milchpreise deutlich gesenkt: Von 73 auf 61 Cent pro Liter. Positiv für die Kunden, schlecht für die Bauern. Sie bekommen nun zwischen 30 und 35 Cent pro Liter Milch bezahlt, im November waren es noch 41,7 Prozent. Gleichzeitig aber steigen die Kosten für die Landwirte, weil die Preise für Strom, Benzin und Tierfutter nach oben geklettert sind.

"Ganz klar existenzbedrohend für unsere Milchbauern" nennt auch Bauernpräsident Gerd Sonnleitner die Preissenkung. Er will beim Bundeskartellverband eine Beschwerde wegen Preisabsprachen einreichen und ist vor allem auf Marktführer Aldi wütend. Der Discounter missbrauche seine Marktmacht, um "die Bauern an die Wand zu drücken". Das sei "schlimmster Frühkapitalismus".

Experten erklären den Preisrutsch aber auch mit der höheren EU-Milchquote und Umstellungen in der Nahrungsmittelindustrie. So hätten Schokoladeproduzenten Milch zum Teil durch pflanzliche Margarine ersetzt. Sollten die deutschen Milchbauern mit ihrem Lieferstopp ernst machen, ginge den Supermärkten nach eineinhalb Tagen die Milch aus. (bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.4.2008)