Washington/Damaskus/Tel Aviv – Wird nun herauskommen, was genau hinter der Bombardierung einer Fabriksanlage in Syrien am 6. September 2007 durch die israelische Luftwaffe stand? Am Donnerstag stand, hinter verschlossenen Türen, im US-Kongress ein Briefing der CIA zu diesem Fall auf dem Programm, im Vorfeld sickerte jedoch bereits durch, was den Parlamentariern präsentiert werden sollte: Beweise dafür, dass Nordkorea in der bombardierten Anlage für Syrien einen Atomreaktor errichtete, nach dem Modell des Reaktors in Yongbyon, mit dem Nordkorea waffenfähiges Plutonium hergestellt hat.

Spekulationen darüber, dass die Anlage Teil eines syrischen Atomprogramms oder gar Atomwaffenprogramms gewesen sein könnte, tauchten sofort nach dem Angriff auf. Israel, aber auch Syrien, ließen so gut wie nichts zur Sache verlauten. Israelische Militärs zeigen sich nun besorgt über die Entscheidung der US-Regierung, Geheimdienstinformationen zur syrischen Anlage herauszugeben, wenn auch in einer geschlossenen Anhörung, berichtete die israelische Zeitung Ha’aretz am Donnerstag. Israel selbst hat eine strenge Zensur über die Berichterstattung verhängt.

Manche US-Beobachter hingegen sind besorgt, dass Nordkorea die zuletzt gute Zusammenarbeit bei der Auflösung seines Atomwaffenprogramms aus Ärger wieder herunterstufen könnte.

Die Washington Post berichtete am Donnerstag, dass Israel vor dem Angriff ein Video vorlag – das es auch an die US-Geheimdienste weitergab –, das Nordkoreaner in der später bombardierten Anlage zeigt. Auf dem Video sei sogar der Reaktorkern zu sehen, und es wird behauptet, dass er dem von Yongbyon sehr ähnle.

Nach US-Einschätzung war die Anlage jedoch noch nicht in Betrieb. Demnach habe Syrien offenbar keinen Brennstoff für den Betrieb des Reaktors. Skeptiker weisen auch darauf hin, dass, solange Syrien keine Möglichkeit zur Plutoniumtrennung habe, es keinen Sinn mache, die Anlage im Kontext eines Waffenprogramms zu sehen.

Der syrische Botschafter in den USA, Imad Moustapha, wies die Anschuldigungen empört zurück und verwies darauf, was einem vor dem Irakkrieg nicht alles an „Beweisen“ für irakische Waffen präsentiert worden war. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 25.4.2008)