Berlin - "Ick fliege uff Berlin. Aba nich von Tempelhof!" Mit unzähligen Plakaten machen derzeit die Gegner des Berliner Flughafens Tempelhof mobil. Doch auch die Befürworter lassen sich nicht lumpen: "Metropole oder Provinz" steht auf ihren Werbeflächen. Ganz Berlin ist zugepflastert, erbittert kämpfen beide Seiten noch bis zum Sonntag. An diesem Tag sind die Berliner zum ersten Mal zu einem Volksentscheid aufgerufen.

Sie sollen abstimmen, ob Tempelhof, der kleinste der drei Berliner Flughäfen, im Oktober vorzeitig geschlossen wird. Dies hat der rot-rote Senat unter Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) entschieden. Dessen Argument: Der Flughafen mitten in der Stadt sei unrentabel, eine Quelle permanenten Lärms - und überhaupt: Wenn ab 2011 der Großflughafen Berlin-Brandenburg-International (BBI) in Betrieb gehe, werde Tempelhof ohnehin geschlossen.

Doch Wowereit hat den Widerstand der Berliner unterschätzt. Viele von ihnen erinnern sich noch an die Luftbrücke nach dem Krieg, als die Alliierten Berlin während der sowjetischen Blockade monatelang via Tempelhof mit Lebensmitteln in den "Rosinenbombern" versorgten. Unermüdlich trommelt die oppositionelle CDU für den Erhalt des Flughafens und hat den Volksentscheid geschickt zum generellen Plebiszit über Wowereits Politik ausgeweitet - unterstützt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich rege Teilnahme am Volksentscheid wünscht.

Wenn 611.000 der 2,4 Millionen Stimmberechtigten für den Weiterbetrieb stimmen, gilt das Votum als erfolgreich. Juristisch bindend wäre es für Bürgermeister "Wowi" dennoch nicht - aber es wäre eine schwere Schlappe. (bau, DER STANDARD - Printausgabe, 25. April 2008)