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Wien – „Das Öl wird knapp“, „Umweltzerstörung durch Biosprit“ oder „Hungerrevolte in Haiti“ – Überschriften wie diese haben in den vergangenen Wochen und Monaten die Titelseiten der Zeitungen geprägt. Dabei sind Agrotreibstoff und Lebensmittelknappheit ebenso wenig neue Phänomene wie die damit verbundenen Debatten um Klimawandel, Ressourcen und deren Verteilung. Diese bestimmen seit Jahrzehnten in zentralen Punkten die internationale Politik.

Das Buch „Von kalten Energiestrategien zu heißen Rohstoffkriegen? Schachspiel der Weltmächte zwischen Präventivkrieg und zukunftsfähiger Rohstoffpolitik im Zeitalter des globalen Treibhauses“, herausgegeben vom Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) widmet sich diesem Themenkomplex. Es beinhaltet 21 Beiträge von Autorinnen die als ReferentInnen und Workshop-LeiterInnen 2007 an der gleichnamigen 24. Internationalen Sommerakademie teilgenommen haben.

Die AutorInnen gehen darin den Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen um fossile Energien auf den Grund. Dabei spielt die Ressourcenpolitk Chinas, Russlands oder Indiens einen ebensolche Rolle wie die neue Kolonialisierung Afrikas und die Konflikte im Mittleren Osten oder die Frage nach einer selbständigen Energiepolitik im "geostrategischen Hinterhof" von EU und USA. Konflikte um das "blaue Gold" Wasser oder rund um Biosprit werden dabei ebenso thematisiert wie alternative Lösungsansätze.

Die Begrenzung von Rohstoffen

Das Buch ist in sechs Abschnitte geteilt, der erste Teil beginnt mit einem Überblick zu wirtschaftlicher Expansion und ökologischer Begrenzung von Rohstoffen. Die Welt wird entzündlicher, lautet zum Beispiel die zentrale These von Wolfgang Sachs. Denn Konflikte um Ressourcen tragen zur sozialen Destabilisierung bei, neue Konfliktpotentiale wachsen heran, betont der deutsche Wissenschafter.

Ressourcenreiche Länder bedeutet nicht automatisch ein hohes Wirtschaftwachstum, sondern ganz im Gegenteil: die Wirtschaft wächst langsamer als die anderer Länder. Je mehr ein Land vom Export von Bodenschätzen abhängig sind, desto schlechter fallen die Statistiken zu Lebenserwartung, Kindersterblichkeit oder Schulwesen aus. Diesem Paradoxon widmet sich neben Sachs auch die österreichische Nahost-Expertin Karin Kneissl im vierten Abschnitt des Buches, wo sie über den Kampf um Rohstoffe in Afrika berichtet. Lange Zeit dominierte Europa die Wirtschaftspolitik in Afrika. Mittlerweile sind es neben deren Konzern-Vertretungen auch die USA und China, die sich in Afrika einmischen, so Kneissl. Neben neuen Vorkommen in Sao Tomé und Principe sind hierbei besonders der Sudan, Nigeria, Angola sowie Algerien und Libyen von Bedeutung.

Alternativen

Ressourcenkonflikte und die Möglichkeit neuer Gesellschaftsformen durch alternative Energiegewinnung leiten den letzten Teil des Buches ein. Darin beschreibt Franz Josef Radermacher ein nicht gerade rosiges Zukunftsszenario: Sollten die Menschheit die Grenzen des ökologischen Systems weiter überschreiten, komme es zu einem Ökokollaps, es drohe ein Versorgungskampf, so der Mathematiker und Wirtschaftswissenschafter.

Positiv hingegen Hermann Scheer, u.a. Träger des alternativen Nobelpreises und Vorsitzender im Weltrat für erneuerbare Energien. Er beschreibt im Schlusskapitel ein anderes Energiesystem, das ohne Kernkraftwerke, Pipelines und ohne Kohle auskommt. Denn ohne erneuerbare Energien wie Wind und Sonne (und damit solaren Technologietransfers) und damit verbunden ohne kommerzialisierbare Technologien gibt es keine friedliche Zukunft, betont er.

Dabei ist es egal, ob man sich bereits mit der Materie auseinandergesetzt hat, oder sich damit neue Themenfelder erschließen möchte. Der 54. Band der Buchreihe „Dialog. Beiträge zur Friedensforschung“ bietet interessante und neue Einsichten in die Vernetzung der Interessen und Aktionen der unterschiedlichen Nationen, Staatsunionen und Politiker. (red)

Mit Beiträgen von Elmar Altvater, Matin Baraki, Ulrike Davis-Sulikowski, Gunther Hauser, Lühr Henken, Karin Kneissl, Helga Kromp-Kolb, Knut Krusewitz, Hans Lukits, Gerald Mader, Freda Meissner-Blau, Franz Josef Radermacher, Thomas Roithner, Werner Ruf, Wolfgang Sachs, Hermann Scheer, Peter Stania, Jürg Staudenmann, Udo Steinbach, Peter Strutynski und Andreas Zumach.

Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.), Projektleitung: Roithner Thomas: Von kalten Energiestrategien zu heißen Rohstoffkriegen? Schachspiel der Weltmächte zwischen Präventivkrieg und zukunftsfähiger Rohstoffpolitik im Zeitalter des globalen Treibhauses, Dialog 54 - Beiträge zur Friedensforschung, ISBN 9-7838-2580-9317, Lit-Verlag, Münster - Hamburg - London - Berlin - Wien 2008, Euro 9,80.