Die Mehrheit der Österreicher hat eine ausgeprägte Vorliebe für eine große Koalition. Aber offenbar nicht für diese große Koalition. Die Umfragewerte für die Regierung sind im Keller. Das muss an ihrem Zustand und den verantwortlichen Protagonisten dieser Regierung liegen.

Schwarz-blau-orange war sicher keine Regierung, der von einer breiten Mehrheit großes Vertrauen entgegengebracht wurde, und Wolfgang Schüssel war als Bundeskanzler sicher nicht der beliebte und unumstrittene Sympathieträger. Dennoch hat es die Nachfolgeregierung, die theoretisch 70 Prozent der Wähler hinter sich haben müsste, nicht geschafft, diesen Bonus zu verwalten.

Alfred Gusenbauer hat es geschafft, den Kanzlerbonus in seiner ersten Halbzeit als Kanzler zu verspielen und in einen Malus umzuwandeln. Nicht viel besser steht Vizekanzler Wilhelm Molterer dar, der als ÖVP-Chef für die Blockadepolitik seiner Partei verantwortlich gemacht wird.

Unbehagen

Das Unbehagen der Bevölkerung mit der Regierung, die sie gewählt hat, wird offensichtlich gespeist aus der Ablehnung, die sich die beiden Koalitionspartner entgegenbringen. So haben sich die harmoniebedürftigen Österreicher das nicht vorgestellt.

So hat sich das wohl auch Gusenbauer nicht vorgestellt, der nicht nur aufgrund der schwierigen Beziehung zum Koalitionspartner unter seinem Wert geschlagen wird - er schlägt sich auch selbst unter Wert, wie das gespannte Verhältnis zur eigenen Parteibasis zeigt. Da gilt der "Ratschlag" von Wiens Bürgermeister Michael Häupl: Für die Liebe der Funktionäre muss Gusenbauer arbeiten. Hart arbeiten. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe 28.4.2008)