Mogadischu - Äthiopische Interventionstruppen im Nachbarland Somalia haben nach Augenzeugenberichten zehn Bewohner der Stadt Baidoa erschossen. Bei der Explosion einer Mine in der südwestsomalischen Stadt seien zunächst zwei Soldaten ums Leben gekommen, sagte Mohammud Ahmed Nour. Daraufhin hätten die Soldaten in alle Richtungen geschossen und zehn Passanten tödlich getroffen.

Äthiopien unterstützt die somalische Übergangsregierung von Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed im Kampf gegen islamische Milizen. Baidoa liegt 250 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Mogadischu und ist Sitz eines aus Clan-Führern zusammengesetzten Pseudo-Parlaments.

"Zügellose Kriegsverbrechen"

Auf die dramatische Verschlechterung der Lage in Somalia haben internationale Hilfsorganisationen aufmerksam gemacht. In dem Land gehe eine Tragödie vor sich, "die die Welt nicht einmal zur Kenntnis nimmt", so CARE. Die somalische Regierung ist von äthiopischen Interventionstruppen in Mogadischu installiert worden und vollständig von äthiopischer Militärhilfe abhängig. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat den Konfliktparteien "zügellose Kriegsverbrechen" vorgeworfen: Die äthiopischen Truppen und ihre somalischen Verbündeten seien ebenso wie die oppositionellen Islamisten verantwortlich für "massives Leiden der Zivilbevölkerung".

Die Milizen des sogenannten Rates der Islamischen Gerichte hatten Mogadischu beim Herannahen der äthiopischen Panzer im Dezember 2006 aufgegeben. Das rigorose Vorgehen der Äthiopier ohne Rücksicht auf Zivilisten, wie auch der Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten Mogadischus, trugen zur Radikalisierung bei.

Die Islamisten, die Waffenhilfe aus Saudi-Arabien, Jemen und Eritrea erhalten, hatten Mogadischu und große Teile Somalias ein halbes Jahr beherrscht, nachdem es ihnen gelungen war, die von den USA unterstützte Warlord-Allianz zu schlagen, deren Führer nunmehr in der Übergangsregierung sitzen. Die Warlords hatten nach dem Sturz des Diktators General Mohammed Siad Barre 1991 Chaos und Anarchie in dem Land am Horn von Afrika verbreitet. (APA/AP)