Warschau/Wien - Mehr als die Hälfte der Polen (53 Prozent) vertraut keinem der polnischen Politiker. Das hat eine am Mittwoch von der polnischen Tageszeitung "Rzeczpospolita" veröffentlichte Umfrage des Instituts GfK Polonia ergeben. Am besten hat noch der Premier und Chef der rechtsliberalen Regierungspartei PO (Bürgerplattform), Donald Tusk, abgeschnitten: 22 Prozent bezeichneten Tusk als "vertrauenswürdig". Für die übrigen Politiker fielen die Noten um einiges schlechter aus. Experten sehen den Grund in einer allgemeinen Enttäuschung über die Politik.

Hinter Tusk reihen sich Polens Präsident Lech Kaczynski und sein Zwillingsbruder Jaroslaw, Ex-Premier und Chef der rechtskonservativen Oppositionspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit). Sie werden von sieben bzw. fünf Prozent der Befragten als "vertrauenswürdig" eingestuft. Eines ähnlich niedrigen Vertrauens "erfreuen" sich auch Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski (PO) und der ehemalige Justizminister Zbigniew Ziobro (PiS).

Nur je zwei Prozent der Befragten vertrauen dem Regierungsbeauftragten für Auslandsbeziehungen, Wladyslaw Bartoszewski, Ex-Premier Kazimierz Marcinkiewicz, Außenminister Radoslaw Sikorski, Wirtschaftsminister und Vizepremier Waldemar Pawlak von der mitregierenden Bauernpartei PSL sowie Andrzej Lepper, Chef der radikalen Bauernpartei Samoobrona (Selbstverteidigung).

"So schlimm war es noch nie. Das ist eine gelbe Karte für die ganze politische Klasse", kommentierte Politologe Kazimierz Kik die Ergebnisse der Umfrage gegenüber der "Rzeczpospolita". Ein Experte für politisches Marketing, Eryk Mistewicz, wunderte sich nicht darüber, dass mehr als die Hälfte der Polen keinem Politiker vertraut: "Auf einer Rangliste der vertrauenswürdigen Berufe, welche das CBOS-Institut vorbereitet hat, finden sich Politiker an letzter Stelle." Nach Meinung von Mistewicz haben die Polen Politik und Politiker einfach satt. (APA)