Jerusalem - Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem hat am Mittwoch eine neue Liste der zehn meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher veröffentlicht. Erstmals seit Jahren wird sie nicht mehr von Alois Brunner, einem der Organisatoren des Massenmordes an sechs Millionen Juden, angeführt. Der vor 96 Jahren geborene Brunner - er wurde im Jahr 2001 zuletzt gesehen - dürfte nämlich schon tot sein.

 

1) Aribert Heim - Der gebürtige Österreicher arbeitete als Arzt in den Konzentrationslagern Sachsenhausen (1940), Buchenwald (1941) und Mauthausen (1941). Ihm wird vorgeworfen, in Mauthausen hunderte Häftlinge mit tödlichen Injektionen unter anderem direkt ins Herz umgebracht zu haben, was ihm den Beinamen "Dr. Tod" einbrachte. Tauchte 1962 vor Vollstreckung eines Haftbefehls unter. Wird in Südamerika vermutet.

2) Ivan (John) Demjanjuk (USA) - Der aus der Ukraine stammende Mann wurde 1988 in Jerusalem wegen Teilnahme an Massenmorden an Juden in verschiedenen Vernichtungslagern zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde jedoch 1993 vom Obersten Gericht aufgehoben wegen Zweifeln daran, ob er wirklich der berüchtigte KZ-Wächter "Iwan der Schreckliche" in Treblinka war. Dass Demjanjuk jedoch KZ-Wächter war, gilt als gesichert. Die USA haben ihm die Staatsbürgerschaft entzogen und wollen ihn des Landes verweisen.

3) Sandor Kepiro (Ungarn) - Der ungarische Polizeioffizier wird verdächtigt, am Massenmord an mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen zu haben.

4) Milivoj Asner (Österreich) - Kroatischer Polizeichef, der aktiv an der Verfolgung und Deportation hunderter Serben, Juden und Sinti und Roma beteiligt gewesen sein soll. Österreich verweigerte die von Kroatien geforderte Auslieferung des Mannes, zunächst, weil er angab, österreichischer Staatsbürger zu sein, und später aus gesundheitlichen Gründen.

5) Soeren Kam (Deutschland) - Ehemaliges SS-Mitglied, wird beschuldigt, für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich zu sein. Kam soll das Einwohnerverzeichnis der jüdischen Gemeinde in Dänemark gestohlen und damit die Deportation von dänischen Juden in deutsche Konzentrationslager ermöglich haben. Wurde in Dänemark angeklagt, ein Gericht in Bayern lehnte jedoch eine Auslieferung ab. Die dänischen Behörden wollen den Fall neu aufrollen und Kams Rolle bei der Deportation dänischer Juden untersuchen.

6) Heinrich Boere (Deutschland) - Mitglied des SS-Kommandos "Silbertanne". Er hat drei niederländische Zivilisten ermordet. Wurde 1949 in den Niederländen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Vor zwei Wochen wurde in Dortmund Anklage wegen Mordes in drei Fällen gegen ihn erhoben.

7) Karoly (Charles) Zentai (Australien) - Nahm 1944 an der Verfolgung und dem Mord von Juden in Budapest teil. Ungarn hat von Australien seine Auslieferung verlangt.

8) Mikhail Gorshkow (Estland) - Nahm laut Wiesenthal-Zentrum am Mord an Juden in Weißrussland teil. Die USA entzogen ihm die Staatsbürgerschaft, in Estland laufen Ermittlungen gegen ihn.

9) Algimantas Dailide (Deutschland) - Nahm Juden fest, die später von Nationalsozialisten und litauischen Kollaborateuren ermordet wurden. Von den USA ausgeliefert und in Litauen verurteilt, musste die Haftstrafe jedoch nicht antreten.

10) Harry Mannil (Venezuela) - Nahm Juden fest, die danach von Nationalsozialisten und estnischen Kollaborateuren ermordet wurden. Die Staatsanwaltschaft in Estland stellte Ermittlungen gegen ihn wegen Mangels an Beweisen ein. Einreiseverbot in den USA. (dpa)