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Foto: Reuters/Guled
Nairobi/Mogadischu - Der Chef der islamistischen Al-Shabaab-Milizen in Somalia ist vermutlich bei einem US-Luftangriff getötet worden. Neben Milizenführer Adan Hashi Ayro, der dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehen soll, kamen bei der Bombardierung in der zentralsomalischen Stadt Dusamareb nach Angaben von Augenzeugen elf weitere Menschen ums Leben. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington bestätigte, dass die USA den Bombenangriff unternommen hätten.

Bei dem Angriff auf das Haus des Milizenführers seien in der Nacht zum Donnerstag zudem acht Menschen verletzt worden, darunter auch Frauen und Kinder, berichteten Augenzeugen weiter. Die Anrainer gaben an, sie hätten vier US-Kampfflugzeuge gesehen. In den vergangenen Monaten war es der Miliz gelungen, die Kontrolle über große Teile Südsomalias zu gewinnen. Ein Sprecher der Miliz drohte am Donnerstag mit Vergeltungsmaßnahmen.

Untergrundkrieg

"Unser Märtyrerbruder Adan Hashi hat erhalten, wonach er gesucht hat - den Tod im Dienste Allahs, aus den Händen der USA", sagte Sheik Muqtar Robow von der Al-Shabaab-Miliz telefonisch der Nachrichtenagentur AP. "Dies wird uns nicht abschrecken, unseren Heiligen Krieg gegen die Feinde Allahs fortzusetzen."

Bei dem Angriff kam nach Angaben Robows auch ein weiterer Kommandant von Al-Shabaab ums Leben. Die Miliz gilt als bewaffneter Arm des Rates der Islamischen Gerichte. Diese Organisation wurde Ende 2006 mit Unterstützung äthiopischer Truppen entmachtet, führt aber weiter einen Untergrundkrieg gegen die Übergangsregierung von Somalia.

Der äthiopische Informationsminister Berhane Hailu begrüßte den Einsatz. Er sei ausschließlich von US-Einheiten unternommen worden, aber es gebe "gemeinsame Interessen beim Austausch von Informationen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Es war der vierte Militäreinsatz der USA in Somalia seit Anfang 2007. Die Al-Shabaab stehen auf der US-Liste der terroristischen Organisationen, da sie sehr enge Verbindungen zu Al-Kaida unterhalten sollen. Im März hatten US-Truppen eine Rakete auf ein Ziel im Süden des Landes abgeschossen, wo ein Al-Kaida-Anführer vermutet wurde.

Ayro soll nach Angaben der somalischen Behörden im März vergangenen Jahres das Kommando über die Aufständischen in Mogadischu übernommen haben. Er überlebte demnach bereits im Jänner 2007 einen Angriff der US-Armee. Auch wird er mit mehreren Angriffen auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Somalia in Verbindung gebracht. In den 90er Jahren soll er in Ausbildungslagern für Untergrundkämpfer in Afghanistan gewesen sein.

Somalia befindet sich seit dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 im Bürgerkrieg und hat keine funktionierende Staatsmacht mehr. Ein US-Friedenseinsatz und zahlreiche Vermittlungsversuche zur Befriedung des Landes blieben erfolglos. Islamistische Milizen, die im Laufe des Jahres 2006 die Macht in weiten Teilen des Landes übernahmen, wurden Anfang vergangenen Jahres mit Hilfe der äthiopischen Armee wieder vertrieben. Seither bekämpfen sie die schwache somalische Regierung und die im Lande verbliebenen äthiopischen Truppen aus dem Untergrund. (APA/dpa/AP)