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Foto: REUTERS/Peter Andrews/Files
Melbourne - Der Mensch ist für erwachsene Exemplare der Chelonia mydas, Suppenschildkröte genannt, der einzige Feind - von ein paar Großhaien abgesehen. Spätestens am Ende des 19.Jahrhunderts begann der kommerzielle Fang der Suppenschildkröten auszuufern. Die Naturschutzorganisation IUCN schätzt, dass der weltweite Bestand in den letzten drei Schildkröten-Generationen um bis zu 67 Prozent dezimiert wurde. Einige Populationen sind komplett verschwunden.

So weit die bisherige negative Bilanz, die gute Nachricht erschien kürzlich im Fachblatt "Global Ecology and Biogeography" (Bd. 17, S. 297). Experten publizierten eine Studie zur Entwicklung von sechs Chelonia-mydas-Populationen, deren Heimatstrände während der vergangenen drei Jahrzehnte überwacht wurden. Zwei dieser Brutplätze liegen im Bereich des Great Barrier Reef (Australien), die weiteren an den Küsten von Florida und Costa Rica sowie auf Hawaii und auf der japanischen Insel Chichi-jima.

Die Erfassung der Tierbestände ist schwierig. Im Ozean sind die Tiere nicht zählbar. Nur die am Strand eierlegenden Weibchen lassen sich registrieren. Die Forscher werteten Daten aus und kamen zum Schluss: In den untersuchten Gebieten, wo die sich die Eier der Tiere ungestört entwickeln konnten, nahmen die Populationen wieder deutlich zu. Die Anzahl der sich fortpflanzenden Weibchen stieg den Berechnungen nach je nach Region jährlich um vier bis 14 Prozent an. Insgesamt dürften die studierten Bestände inzwischen wieder einige Millionen Tiere umfassen. "Bei vernünftigem Management können sich Suppenschildkröten relativ schnell erholen", so der australische Biologe Colin Limpus vom Queensland Parks and Wildlife Service.

In Bezug auf absolute Zahlen gäbe es aber Unsicherheiten. Die Anzahl der eierlegenden Schildkröten-Damen schwankt. Die Ursachen dieses Phänomens wurden noch nicht ausreichend erforscht. Experten beobachteten einen Zusammenhang mit dem Einfluss der kalten Meeresströmung "El Nino" auf das Klima in tropischen Breiten. Letztere bestimme vielleicht das pflanzliche Nahrungsangebot, wonach sich die Suppenschildkröten richten könnten. (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4. 5. 2008)