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US-Marines der 24th Marine Expeditionary Unit feuern nahe Garmser in der Provinz Helmand Mörser auf Stellungen der Taliban.

Foto: AP/David Guttenfelder
New York/Kabul - Die USA erwägen nach Informationen der "New York Times" die Entsendung von bis zu 7000 zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan im kommenden Jahr. Dies sei nötig, weil die verbündeten NATO-Staaten wohl nicht genügend Streitkräfte zur Verfügung stellten, berichtete die Zeitung am Samstag unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Regierungsvertreter. Nach der Aufstockung würde die Zahl der amerikanischen Soldaten in Afghanistan bei rund 40.000 und damit auf dem höchsten Stand seit dem US-Einmarsch 2001 liegen. Ein Regierungsvertreter wurde mit den Worten zitiert, am Ende werde der Krieg in dem Land wohl wieder "amerikanisiert".

Furcht vor zweigeteilter NATO

US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte vor einem Kongressausschuss in Washington erklärt, er fürchte eine zweigeteilte NATO, in der es Partner gebe, die bereit seien, für die Sicherheit anderer zu sterben, und solche, die dies nicht seien. Wenn dieser Zustand anhalte oder gar schlimmer werde, würde dies "einen Schatten auf die Zukunft der Allianz" werfen. Afghanistan droht laut dem neuesten Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London der Zerfall, sollten die NATO-Truppen es nicht schaffen, die islamistischen Taliban niederzuringen, deren fundamentalistisches Regime 2001 durch eine US-geführte Militärinvasion gestürzt worden war.

Die Taliban haben zum "Heiligen Krieg" gegen die Fremden im Land und gegen die Kabuler Regierung aufgerufen. Der frühere deutsche Stabschef der NATO-geführten Schutztruppe ISAF, General Bruno Kasdorf, hat erklärt, es bestehe "ganz konkret" die Gefahr, dass die afghanische Bevölkerung zu den Taliban überlaufe.

Planungen bereits angelaufen

Laut dem NYT-Bericht sind die Planungen für die Truppenaufstockung bereits angelaufen. Die endgültige Entscheidung werde aber möglicherweise dem nächsten US-Präsidenten überlassen. Die Amtszeit von George W. Bush läuft im Jänner ab. NATO-Kommandanten hatten unlängst erklärt, in Afghanistan würden etwa 10.000 weitere Soldaten benötigt. Bisher vorliegende Zusagen der Bündnismitglieder für eine Aufstockung erreichen diese Schwelle aber nicht annähernd.

In Afghanistan ist unterdessen ein weiterer NATO-Soldat durch eine Explosion ums Leben gekommen. Bei dem Vorfall am Freitag in der umkämpften Südprovinz Helmand seien zwei weitere Soldaten verletzt worden, teilte die NATO-geführte Schutztruppe ISAF am Samstag in Kabul mit, ohne die Staatsangehörigkeit des Getöteten bekanntzugeben. Die meisten der in Helmand stationierten Soldaten gehören der britischen Armee an. Seit Beginn des Jahres kamen damit 48 ausländische Soldaten in Afghanistan ums Leben. (APA/Reuters)