Wien - Das Pflegegeld ist seit seiner Einführung Mitte 1993 erst dreimal erhöht worden. 1994 und 1995 erfolgten Erhöhungen - um 2,5 bzw. 2,8 Prozent. Im Jahr 1996 gab es nicht mehr, sondern Bezieher der Stufe 1 mussten sogar im Zuge des Sparpakets einen Verlust von 635 Schilling (46,1 Euro) hinnehmen. Erst im Jahr 2005 wurde das Pflegegeld erneut angehoben - und zwar um zwei Prozent. Geht es nach Sozialministerin Erwin Buchinger, soll ab 1. Jänner 2009 nun die nächste Erhöhung - um fünf Prozent - erfolgen. Real hat das Pflegegeld seit seiner Einführung eine Wertminderung zwischen 13,5 und 34 Prozent erfahren.

Gemessen am Verbraucherpreisindex haben Pflegegeld-Bezieher der Stufe 1 laut Berechnungen des Hilfswerks von 1994 bis ins Jahr 2005 einen Kaufkraftverlust von 34,31 Prozent hinnehmen müssen. In den Stufen 2 bis 7 beträgt der reale Schwund des Pflegegeldes knapp 13,5 Prozent. Um das Pflegegeld für alle Bezieher wieder auf die gleiche Kaufkraft-Leistung wie 1994 zu bringen, müsste der Staat fast 417 Mio. Euro pro Jahr aufwenden. Buchinger beziffert die Kosten für sein Paket (Fünf-Prozent-Erhöhung des Pflegegeldes, bessere Einstufung Demenzkranker und behinderter Kinder und Jugendliche sowie Verbesserung bei der Kurzzeitpflege) für das Jahr 2009 mit 127 Mio. Euro.

Statt 225,8 Euro nur 148,3

Derzeit beträgt das Pflegegeld in Stufe 1 pro Monat 148,3 Euro. Wäre seit 1994 eine Anhebung um die Inflationsrate (Verbraucherpreisindex VPI) geschehen, würden in dieser Stufe die monatlichen Zahlungen bereits 225,75 Euro betragen, so die Berechnungen des Hilfswerks. Dies bedeutet eine reale Einbuße von 34,31 Prozent der ursprünglichen Kaufkraft. In den übrigen Stufen fällt der Kaufkraftverlust mit rund 13,5 Prozent deutlich geringer aus. Der Grund für diesen Unterschied: Im Jahr 1996 wurde im Rahmen eines Sparpaketes das Pflegegeld der Stufe 1 von 2.635 auf 2.000 Schilling gekürzt. Ausgenommen waren nur jene Bezieher, die bereits davor ihr Pflegegeld beantragt hatten - sie erhielten weiterhin 2.635 Schilling (191 Euro). Der Wertverlust ist aber auch in den übrigen Pflege-Stufen deutlich zu spüren: In Stufe 5 etwa bekommt man derzeit 859,30 Euro - inflationsangepasst würde den Betroffenen aber 993,10 Euro zustehen - ein Minus von 13,47 Prozent.

Auch die Aufwendungen des Staates sind seit 1994 nicht analog zum VPI gestiegen. Während 1994 in Summe (Bund und Länder) 1,587 Mrd. Euro aufgewendet wurden, betrug diese Zahl im Jahr 2005 1,86 Mrd. Euro. Wären die Ausgaben um den VPI gestiegen, so hätte der Staat im Jahr 2005 1,92 Mrd. Euro aufwenden müssen, um dieselbe Summe wie 1994 zu erreichen. Real geben Bund und Länder also pro Jahr 62,8 Mio. Euro weniger für das Pflegegeld aus als noch bei deren Einführung.

Berücksichtigt man auch den Umstand, dass die Zahl der Pflegegeldbezieher seit 1994 um rund 72.000 Personen angestiegen ist, ergibt sich ein noch drastischeres Bild. Wollte man für all die Betroffenen den realen Wertverlust abfedern, müssten Bund und Land in Summe zusätzlich fast 417 Mio. Euro pro Jahr in die Hand nehmen, so die Berechnungen. (APA)

Pflegegeld 1994 - 2005:

1994: 2005: 2005 lt. VPI*: Real-Verlust in %:

Stufe 1: 186,26 148,30 225,75 -34,3 Stufe 2: 260,75 273,40 316,03 -13,5 Stufe 3: 402,24 421,80 487,52 -13,5 Stufe 4: 603,40 632,70 731,32 -13,5 Stufe 5: 819,39 859,30 993,10 -13,5 Stufe 6: 1.117,34 1.171,70 1.354,22 -13,5 Stufe 7: 1.489,79 1.562,10 1.805,63 -13,5

*Hochgerechnete Steigerung des Pflegegeldes, wäre die Inflation abgegolten worden

Quelle: Hilfswerk