Grafik: STANDARD
Wien - Die Ursachenforschung für die Preissteigerung läuft auf Hochtouren - und fördert langsam Ergebnisse zu Tage. Sowohl die Oesterreichische Nationalbank als auch das Wirtschaftsforschungsinstitut belegen nun, dass die Teuerung in Österreich über jener der Eurozone liegt. Das gilt vor allem für Lebensmittel, aber auch für andere Bereiche wie Energie, Schuhe oder Arzneimittel.

Wifo-Experte Josef Baumgartner hält in einer Studie im Auftrag des Wirtschaftsministerium fest, dass beispielsweise bei den Produkten Milch, Käse und Eier die nationale Komponente "mehr als die Hälfte des gesamten Preisanstiegs in dieser Produktgruppe" ausmachte. Er hat die Preisentwicklung von 2002 bis 2007 untersucht.

Teures Öl und Fett

Noch stärker ist der Auftrieb bei Ölen und Fetten, wozu auch Butter und Margarine zählen. Allein 2007 lag hier die Teuerung mit 15 Prozent dreimal so hoch wie in der Eurozone, konstatiert Baumgartner in dem Gutachten, das vom Wirtschaftsministerium unter Verschluss gehalten wird. Die Notenbank wiederum hat festgestellt, dass auch der Preisverlauf bei Brot und Backwaren seit 2007 deutlich stärker nach oben wies als in Deutschland und Italien. Das nördliche Nachbarland weist hingegen laut OeNB bei Milch, Milchprodukten, Eiern, Fetten und Ölen eine steilere Preiskurve als Österreich auf (siehe Grafik).

Wie Baumgartner erhoben hat, beschränkt sich der hausgemachte Beitrag zur Inflation weit weitem nicht auf die Nahrungsmittel. Bei Schuhen etwa hat der Wifo-Experte hierzulande im Vergleich zur Eurozone eine fünfmal höhere Teuerung eruiert.

Nicht viel anders sieht es im Bereich Energie aus. Lagen die Strompreise von 2002 bis 2006 noch leicht unter dem Durchschnitt der Währungsunion, entwickelten sie sich 2007 mit einem um vier Prozent stärkeren Anstieg zum "Inflationstreiber". Ähnlich stellt sich die Situation bei Gas dar, wo ein noch stärkerer "Nachholeffekt" eingetreten sei - 2007 waren hier zwei Drittel der Inflation hausgemacht.

Ähnlich verhält es sich laut der Wifo-Untersuchung bei der Wohnungsinstandhaltung, wo Baumgartner sowohl 2006 als auch 2007 einen nationalen Teuerungsbeitrag von 40 Prozent identifizierte. Bei Arzneimitteln stiegen die Preise um drei Prozent stärker als in der Eurozone, wobei dieser Beitrag zur Gänze hausgemacht sei, heißt es in der Studie.

Nun wird weiter geforscht. Wifo und Institut für Höhere Studien wurden beauftragt, sich den Gründen für den rot-weiß-roten Inflationsbeitrag zu widmen. Konkret versuchen die Institute zu ermitteln, wie sich die Teuerung auf Produzenten, Groß- und Einzelhandel verteilt. Allerdings werden konkrete Ergebnisse mangels Einblick in Firmenkalkulationen bezweifelt. In weiterer Folge wollen Wettbewerbskommission und Ministerium Maßnahmen diskutieren.

Agrarpreise nur teilschuldig

Auch die EU befasst sich mit der Teuerung. Die Experten von Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel meinen, dass die Teuerung bei Lebensmitteln nicht allein mit der Rohstoff-Hausse zu erklären sei. Bei Brot und Backwaren wäre wegen der hohen Mais- und Weizenpreise binnen Jahresfrist nur eine Preissteigerung von drei Prozent gerechtfertigt, tatsächlich betrug sie in den zwölf Monaten seit Februar 2007 zehn Prozent.

Bei Butter und Rapsöl wäre laut diesen Berechnungen eine Teuerung von acht Prozent vertretbar gewesen, die Preise legten aber um zwölf Prozent zu. Ähnlich fällt der Befund für Käse, Eier und Milch aus. Nur bei Fleisch verlief der Trend gegenläufig. Mit vier Prozent lag die Teuerung nur halb so hoch wie wegen der höheren Rohstoffkosten gerechtfertigt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.5.2008)