Bangkok - Durch die Wirbelsturmkatastrophe in Burma haben nach Angaben der Hilfsorganisation "Save the Children" Millionen Menschen ihr ganzes Hab und Gut verloren. "Es ist ganz klar, Millionen Menschen sind obdachlos. Wir wissen nur noch nicht, wie viele Millionen", berichtete der für Burma (Myanmar) zuständige Vertreter der Organisation, Andrew Kirkwood, am Mittwoch telefonisch aus Rangun (Yangon). Save the Children ist eine der wenigen Organisationen, die das Militärregime bisher in das Land gelassen hat. Kirkwood klagte über die mangelnde Kooperation der herrschenden Junta. Obwohl dringend Nachschub an Hilfskräften und Hilfsgütern benötigt werde, warteten die Helfer weiter in Bangkok auf ihre Einreisevisa.

Kirkwood berichtete von katastrophalen Zuständen vor allem im Irrawaddy-Delta, der am schwersten betroffenen Region. In einem der abgelegenen Orte habe sein Team tausende Tote gesehen - "Berge von Leichen", die auf der Straße verrotteten. Besorgniserregende Berichte kämen auch aus Pyinkaya, einem 150.000 Einwohner zählenden, schwer zugänglichen Ort im Südwesten des Deltas. Dort sei bis Mittwoch noch keine Hilfe eingetroffen, die Sterbenden seien sich selbst überlassen.

Sanktionen

Die US-Regierung hat ein bürokratisches Hindernis für die Hilfe der Wirbelsturmopfer in Burma aus dem Weg geräumt. Hilfsorganisationen müssten künftig nicht mehr erst die Erlaubnis der US-Regierung einholen, um dem südostasiatischen Land finanziell oder mit Sachspenden zu helfen, teilte das Finanzministerium am Dienstag in Washington mit. 2003 hatten die USA Finanzsanktionen gegen Burma verhängt. US-Präsident George W. Bush hatte die Sanktionen zuletzt verschärft. Zu den Sanktionen gehören ein Einfuhrverbot für alle Waren aus Burma und ein Einreiseverbot für Personen mit Verbindungen zur Junta. Die US-Regierung ist zudem verpflichtet, alle Kreditentscheidungen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zugunsten des burmesischen Regimes abzulehnen.

Dem Regime von General Than Shwe werden schwerste Menschenrechtsverstöße zur Last gelegt, insbesondere Zwangsarbeit, Folter, brutale Verfolgung von ethnischen Minderheiten, Missbrauch von Kindersoldaten und Unterdrückung der Demokratiebewegung. Die Nationale Liga für Demokratie (NLD) unter der Führung von Aung San Suu Kyi hatte die Wahlen zu einer Verfassunggebenden Nationalversammlung 1990 mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch hatte das Militär die Machtübergabe verweigert. (APA/Reuters)