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Ein Hisbollah-Kämpfer in Beiruts Stadtteil Bchara el Khoury. Die Schiiten-Organisation hat inzwischen weite Teile der libanesischen Hauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht.

Foto: REUTERS/Mohamed Azakir

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Angehörige der Hisbollah- und Amal-Milizen im Stadtteil Mazra'a

Fotos: Reuters/Fadi Ghalioum

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Kämpfer der Syrian Socialist Nationalist Party haben die Studios des regierungsfreundlichen Fernsehsenders Future TV in Brand gesteckt.

Foto: Reuters/Khalil Hassan

Beirut - Schiitische Milizionäre haben am Freitag die Kontrolle über das Zentrum der libanesischen Hauptstadt Beirut übernommen. Die libanesische Armee, die einige Gebäude schützte, ließ zu, dass die Schiiten auch in den vorwiegend von Sunniten bewohnten Stadtteilen Position bezogen. Milizionäre der Schiitenbewegungen Hisbollah und Amal kontrollierten die Straßen.

Polizei und Soldaten beschützen Siniora

Den ganzen Tag über waren in der Innenstadt Maschinengewehrsalven und explodierende Granaten zu hören. Nach Angaben von Krankenhausärzten wurden seit dem Donnerstagabend in Beirut mindestens 13 Menschen getötet. Ministerpräsident Fouad Siniora verschanzte sich in seinem von Polizei und Soldaten schwer bewachten Büro in der Innenstadt.

Die Innenstadt war am Freitagnachmittag mehr oder weniger ausgestorben, nachdem viele Familien aus ihren Häusern in sicherere Gebiete geflohen waren. Maskierte Schützen standen auf vielen Dächern. Die Hisbollah-Miliz hat die Medien der sunnitischen Großunternehmerfamilie des Mehrheitsführers Saad Hariri zum Schließen gezwungen.

Die Fernsehsender Future TV und Future News, die Tageszeitung "Al-Mostaqbal" und "Radio Orient" hätten "ihre Türen geschlossen" und seien unter die Kontrolle der Armee gestellt worden, sagte ein Vertreter der Mediengruppe am Freitag. Es habe Drohungen von bewaffneten Hisbollah-Anhängern gegeben. In der Beiruter Residenz von Hariri schlug am Morgen eine Rakete ein. Opfer gab es keine. Anhänger der mehrheitlich sunnitischen Regierung legten ihre Waffen am Morgen nieder, nachdem die Hisbollah die muslimische Stadthälfte weitgehend erobert hatte. In Tarek al-Dschadidi, einem sunnitischen Viertel, und in einigen Dörfern des östlichen Bekaa-Tals übergaben die Kämpfer des Regierungslagers ihre Posten an die Armee.

Einwohner fliehen

"Die Nacht war schrecklich. Wir konnen uns nicht mal im Haus bewegen", sagte eine Bewohnerin von Ras al-Nabae, die beim ersten Tageslicht mit ihren Kindern geflohen war. "Wir haben die ganze Nacht im Flur verbracht." Die Straßen waren von Kämpfen gezeichnet: Fahrzeuge wurden zerstört, aus Gebäuden stieg Rauch auf.

Die radikal-muslimische Miliz schaltete Fernseh- und Radiosender ab, die dem Regierungslager unter Führung von Saad al-Hariri nahestehen. Später übergaben sie die Büros an die Armee, die sich in der Krise um Neutralität bemüht. Die Schiiten-Kämpfer kontrollierten zudem weiterhin die Zufahrt zum internationalen Flughafen, der seit Mittwoch lahmgelegt ist. Die nationale Fluggesellschaft Middle East verschob alle Flüge auf Samstag und die Hafenbehörde stellte den Betrieb eines der wichtigsten Umschlagplätze des Landes ein.

Streit um Hisbollah-Funknetz

Die Gewalt entzündete sich an Vorwürfen der Regierung an die Hisbollah, einen Staat im Staate zu errichten. Das Kabinett von Ministerpräsident Fuad Siniora hatte vor allem das private Funknetz kritisiert, das die Hisbollah seit Jahren betreibt. Die Kämpfe spitzten sich zu, nachdem Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah am Donnerstag erklärt hatte, die Regierung habe der Opposition den Krieg erklärt.

Der Konflikt schwelt seit drei Jahren, als nach dem tödlichen Anschlag auf Hariris Vater Rafik ein Umschwung im Land einsetzte. Die Libanesen setzten im Frühjahr 2005 in wochenlangen Massendemonstrationen einen Rückzug Syriens durch, das nach dem Bürgerkrieg mit zehntausenden Soldaten die Rolle einer Ordnungsmacht übernommen hatte. Im Streit um die Machtverteilung zwischen dem pro- und dem anti-syrischen Lager blockiert die Hisbollah seit Monaten die Regierung und die Präsidentenwahl, die bereits 16 Mal verschoben werden musste.

Der regierungsnahe Chef der drusischen Minderheit, Walid Dschumblatt, rief die Opposition zum Dialog auf: "Die eine Partei kann die andere nicht vernichten - und das gilt unabhängig von der militärischen Stärke." Saudi-Arabien und Ägypten forderten ein Dringlichkeitssitzung arabischer Außenminister.

Die Hisbollah ist die einzige Miliz, die nach dem Bürgerkrieg ihre Waffen behalten durfte. Sie kontrolliert weite Teile des Südlibanons und versteht sich als Bollwerk gegen Israel. Seit dem Krieg der Hisbollah mit Israel im Sommer 2006 beteiligt sich auch Deutschland an einem UN-Friedeneinsatz zur Überwachung des Waffenstillstands. Vor der libanesischen Küste patrouillieren rund 450 Soldaten der deutschen Marine. ((APA/dpa/Reuters)