Das Dorotheum bringt eine Metallskulptur des amerikanischen Künstlers John Chamberlain: "Sparkle Plenty" von 1993 soll zwischen 70.000 und 100.000 Euro bringen.

Foto: Dorotheum
London/Wien – Pessimisten, die aufgrund des schwachen Dollars und der angespannten Wirtschaftssituation in den USA eine Flaute auf dem Kunstmarkt prognostizierten, sind fürs Erste verstummt. Die Contemporaries müssen kommende Woche in New York ihren Mann stehen und entsprechende Resultate bringen. Dem internationalen Kunstmarkt wird derzeit die große Vertrauensfrage gestellt. Und die Garde der Impressionisten und der Moderne lieferte prompt eine Antwort. Am Abend des 6. Mai spielte Christie’s im Rahmen des Evening-Sales mit nur 44 Zuschlägen satte 277,27 Millionen Dollar (178,88 Mio. Euro) ein, bei Sotheby’s ging man bei Redaktionsschluss noch zu Werke.

Zum Vergleich: Im Mai vergangenen Jahres hatten sich bei Christie’s 68 Besitzerwechsel mit 236,46 Millionen Dollar (173,87 Mio Euro) zu Buche geschlagen. Allein die Gesamtsumme der zehn höchsten Zuschläge beziffert man aktuell mit 119,41 Millionen Euro, 2007 waren es deren 88,67 Millionen gewesen. Das Topresultat des Abends lieferte Claude Monets Le Pont du chemin (41,48 Mio. Dollar / 26,76 Mio. Euro); für das zweit- und drittplatzierte sprang der Handel in die Presche, Gagosian bewilligte den Weltrekordpreis von 27,48 Millionen Dollar (17,72 Mio. Euro) für Alberto Giacomettis Grande femme debout II und ein amerikanischer Kollege 22,44 Millionen (14,47 Mio Euro) für Henri Matisse’ Portrait au manteau bleu.

Die Stimmung scheint folglich gut, das Publikum ist in Kauflaune. Und das trifft sich gut, denn sowohl Christie’s (13./14.Mai) als auch Sotheby’s (14./15. Mai) bringen wahrhaft Hochkarätiges und damit ziemlich Teures ins Spiel. Allein für Lucian Freuds lebensgroßen auf einem Diwan ausgebreiteten Akt (Benefits Supervisor Sleeping) erwartet Christie’s ein zwischen 25 und 35 Millionen Dollar angesiedeltes Resultat. Das aus europäischem Privatbesitz stammende Leinwandepos aus dem Jahr 1995 steht das erste Mal über eine Auktion zum Verkauf und ist ein Anwärter auf den Titel teuerstes Kunstwerk eines lebenden Künstlers. Als Marktführer – 2007 setzte man in dieser Sparte 1,56 Milliarden Dollar um – möchte man sein Publikum bei Laune halten und offeriert weitere Gustostücke, darunter eine nennenswerte Gruppe abstrakter Expressionisten. Allein die 57 im Rahmen des Evening-Sales angebotenen Werke könnten nach Expertenschätzungen bis zu 390 Millionen Dollar bringen. Sotheby’s setzt einmal mehr auf Bestseller Francis Bacon, für dessen Triptych von 1976 man um die 70 Millionen Dollar erwartet.

Nach dem vorjährigen Bietergemetzel um Mark Rothko – sein White Center (Yellow, Pink and Lavender on Rose) brachte mit 72,8 Millionen Dollar den Rekord für ein zeitgenössisches Kunstwerk – hofft man zumindest auf 35 Millionen für sein 1956 ausgeführtes Orange, Red, Yellow.

Einen Bruchteil jener Summen macht die untere Schätzwertsumme (knapp 3 Millionen Euro) jener Zeitgenossenauswahl aus, die das Dorotheum am 28. Mai verteilen will. Aber – es ist das mit Abstand beste Programm, das man in Österreich jemals bei einer Auktion zu sehen bekam: neben den Klassikern aus Österreich etwa acht Arbeiten von Bansky zu Taxen von 7000 (für Serigrafien) bis 45.000 Euro oder Grafiken von Francis Bacon ( Study for Human Body , signierte Lithografie, 14.000–15.000) über Damien Hirst (u.a. Valium, Lambda Print , 9000–10.000) bis Roy Lichtenstein und Andy Warhol. Nach der erfolgreichen Platzierung im Vorjahr darf freilich Piero Manzoni (Achrome, 200/ 240.000) nicht fehlen, schon möglich, dass ihm aber John Chamberlain ( Sparkle Plenty , 10/100.000) oder Jörg Immendorff ( Sieger , 80/ 120.000) die Show stehlen – oder aber auch der erstmals vertretene Schwerpunkt chinesischer Kunst, die den Aufwärtstrend jener Sektion symbolisieren wollen. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD/Printausgabe, 08.05.2008)