Die AUA ist mit ihrer Flotte nicht ideal aufgestellt. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 9,3 Jahren (Niki: eineinhalb Jahre, Emirates: sechs Jahre). Ein Problem: Die günstig erworbenen, auf Kurz- und Mittelstrecken eingesetzten Fokker 70/100 werden nicht mehr produziert und sind schwer zu vermarkten.

Die Langstreckenjets der Serie Boeing 767-300 – von der AUA bilanzmäßig abgeschrieben – sind in ihrer Entwicklung zwei Jahrzehnte alt, auch wenn deren Baujahr jüngeren Datums ist, werden sie aber in der Erhaltung immer kostenaufwendiger. Die restlichen Bombardier Regionaljets sind angesichts enormer Treibstoffkosten und lediglich 50 Sitzplätzen kaum wirtschaftlich einzusetzen, ausgenommen auf Strecken mit höchsten Erträgen.

Luftfahrtexperten erläutern gegenüber dem Standard, dass eine derartige Flottenkonstellation wirtschaftlich nur mehr für zwei Jahre gerechtfertigt ist. Dann sollte eine umfassende Modernisierung eingeleitet werden. Mit der Veräußerung der moderneren A330/340 Flotte – das letzte von acht Flugzeugen wurde im September abgegeben – wurde auch ein Teil des AUA Familiensilbers verkauft. Derartige Aktionen haben den Effekt, dass jede neue Beschaffung von Flugzeugen mit noch höherem finanziellem Aufwand abgewickelt werden muss.

Auch von einer Standardisierung ist die AUA-Flotte weit entfernt. So tummeln sich in der rund 100 Flugzeuge umfassenden Schmetterlingssammlung Maschinen von Bombardier (Regional Jet, Dash 8-300, Dash 8 400), Fokker (Serien 70 und 100), Airbus A319, A320 und A321, Boeing 737 der Serien 600, 700 und 800, sowie Boeing 767-300ER und Boeing 777-200. Für eine neue Flotte muss aber nicht nur genügend Geld vorhanden sein, sondern auch eine klare Strategie, wohin sich die Airline entwickelt. Um flexibel auf Marktverhältnisse reagieren zu können, versuchen Fluglinien 20 bis 25 Prozent der Flotte als Short-Time-Lease zu betreiben – Leasingverträge von Flugzeugen, die bis maximal drei Jahre andauern.

Die Raten für einen Airbus A320 etwa, welche die AUA zusätzlich in die Flotte aufnehmen will, betragen, je nach Deal, zwischen 270.000 und 320.000 US Dollar im Monat. Neue Flugzeuge sind nicht auf Anhieb zu bekommen. Auch beim Mieten moderner Jets sind oft bis zu sechs Monate Wartezeit notwendig. Daher müsste jetzt die Entscheidung getroffen werden, wie eine moderne AUA-Flotte für die Zukunft aussehen soll. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.5.2008)