Allein im vergangenen Jahr ist das Umsatzvolumen von Fairtrade-Bananen um 21 Prozent gestiegen

Foto: STANDARD/ Reghine HEndrich
Das Fairtrade-Label hat in den fünfzehn Jahren seines Bestehens in Österreich einen Imagewandel geschafft. Die Produkte sind in Supermärkten ebenso präsent wie in Qualitätsbetrieben -

Wien – "Vor 15 Jahren wurde es noch als ,Minderheitenprogramm für politisch Interessierte‘ belächelt", erinnert sich Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner. Passend zum Klischee: Einkauf mit Jutesackerl. Diesen Mittwoch war es aber Kirner, der lächelte – fand die Bilanzpräsentation zu zehn Jahren Fairtrade in Österreich doch im noblen Restaurant Steiereck statt. Die Botschaft: "Wir haben den Sprung in den Massenhandel geschafft."

Schokolade und Kaffee

Einer der Indikatoren: "Jede fünfte Banane, die in Österreich gekauft wird, hat bereits das Fairtrade-Gütesiegel. Allein im vergangenen Jahr ist das Umsatzvolumen von Fairtrade-Bananen um 21 Prozent auf 15,4 Millionen Euro gestiegen. Die gesamten Fairtrade-Umsätze stiegen 2007 um 27_Prozent auf 53 Millionen Euro. Hinter den Bananen rangiert die Schokolade mit 15,2 Mio. Euro (+31 Prozent) auf Rang zwei, die Umsätze des fair gehandelten Kaffees liegen bei 9,4 Mio. Euro (+12 Prozent).

Inzwischen sind es in Österreich bereits 350 zertifizierte Produkte, die in allen großen Supermarktketten (rund 5000 Supermärkten), Drogeriemärkten und Bioläden geführt werden. Und es werden ständig mehr. Heuer bekamen die Bananen Gesellschaft: Zu Jahresbeginn wurde das Sortiment um fair gehandelte Biofrüchte wie Ananas, Avocados und Mangos erweitert. Außerdem gibt es seit April 2008 Heimtextilien aus Baumwolle.

Faire Arbeit – faire Preise

Das Prinzip ist stets das gleiche: Fairtrade garantiert den Produzenten Mindestpreise – sofern diese ihrerseits arbeitsrechtliche und soziale Mindeststandards garantieren. Dazu kommen noch Prämien für soziale Verbesserungen. Das Geld kann dann in verschiedene Projekte investiert werden – etwa in den Straßenbau und Lkws, womit sich die kleinbäuerlichen Familien den Zwischenhändler und somit zusätzliche Kosten ersparen. Was das für die Betroffenen bedeuten kann, schildert Kirner am Beispiel der Baumwollproduktion: "Ich besuchte kürzlich unsere Baumwollkooperative in Senegal. Dort wurden jahrelang Erdnüsse in Monokultur angebaut, was die Böden vollkommen auslaugte. Jahr für Jahr mussten die Bauern mehr Kunstdünger verwenden, was für sie nach und nach unerschwinglich wurde."

Qualitätsimage

Mithilfe von Fairtrade konnten die senegalesischen Landwirte auf Baumwolle umsteigen – und die Preisgarantie ermöglichte überdies die Einführung des bisher unbekannten Fruchtwechsels. Ein weiterer Punkt: "Fairtrade ist inzwischen zu einer Marke herangewachsen, die neben dem Ökogedanken auch ein hohes Qualitätsimage transportiert", erklärt Birgit Reitbauer, warum das Steirereck seit einem halben Jahr auf Kaffee mit dem Faitrade-Gütesiegel umgestiegen ist.

Derartige prestigeträchtige Leitbetriebe sind das zweite Standbein neben den großen Handelsketten und begleiten den Imagewandel des Labels. So verarbeitet etwa auch die steirische Schokolademanufaktur Zotter nur noch fair gehandelte Rohstoffe. (frei, don/ DER STANDARD Printausgabe 8.5.2008)