Leipzig - Die Leipziger Universitätsbibliothek hat 43 Blätter des sogenannten Codex Sinaiticus digital aufgenommen und online verfügbar gemacht. Das ägyptische Bibel-Manuskript stammt aus dem 4. Jahrhundert und enthält große Teile des Alten und ein vollständiges Neues Testament. Der Direktor der Universitätsbibliothek, Ulrich Johannes Schneider, nannte das Projekt bei der Präsentation am Donnerstag einen entscheidenden Schritt für den uneingeschränkten Zugang zu alten Werken.

Die digitale Fassung geht über die reine Abbildung des Textes, der ausschließlich in Großbuchstaben, ohne Leerzeichen und Bilder gesetzt ist, hinaus. Internetnutzer und Forscher können die Seiten wie einen digitalen Film verschieben, Textstellen vergrößern und sich die griechische Transkription sowie die deutsche Übersetzung anzeigen lassen.

Kooperationspartner

In einer Kooperation der Universitätsbibliothek mit der Russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg, der British Library und dem Katharinen-Kloster in Ägypten - sie besitzen ebenfalls Teile des Codex - sollen bis 2009 die rund 390 erhalten gebliebenen Blätter virtuell zusammengefügt werden. Das deutsche Projekt sei nach Auskunft von Projektförderer Microsoft ausbaufähig. Die eingesetzte Technologie könne Lösungsmuster für weitere Schriften sein.

Reinhold Scholl, Professor für Alte Geschichte in Leipzig, geht davon aus, dass die Digitalisierung des Codex "die Forschung befeuern wird". Denn die 43 Pergamentblätter seien einerseits sehr empfindlich und sehr wertvoll und daher kaum zugänglich. Zum anderen seien auf den digitalen Blättern mehr Details zu erkennen als auf dem Original. (APA/dpa)