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Die EURO im Juni macht vielen Reisebüros einen Strich durch die Rechnung: Statt in den Urlaub zu fliegen, wollen offenbar mehr Leute als erwartet zu Hause Fußball schauen.

Foto: APA/DPA/Hildenbrand
Wien – Des einen Freud, des anderen Leid: Während etwa Hersteller von Knabbergebäck oder Bierbrauer im Hinblick auf die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft (EURO) mit starken Zuwächsen rechnen, bangen Reisebüros um ihr Geschäft. "Wir liegen bei den Buchungen für Abreisen im Juni 20 Prozent unter Vorjahr", sagte der Geschäftsführer von Geo Reisen, Engelbert Egger, dem Standard. Geo Reisen ist österreichweit an neun Standorten vertreten, darunter in den EURO-Städten Wien, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck. Für den Reiseprofi Egger liegt der Zusammenhang mit dem sportlichen Großereignis auf der Hand. "Viele Fußballbegeisterte, die im Vorjahr ihren Urlaub im Ausland verbracht haben, bleiben heuer zu Hause, um die EURO-Stimmung authentisch zu erleben. Das spüren wir im Reisebüro deutlich."

Leute sparen

Ähnliches hat sich in Deutschland während der Fußball-WM zugetragen. Dort haben Reisebüros ebenfalls über Buchungsrückgänge geklagt, wobei unterm Strich infolge von Verschiebungen aber ein Plus übrig blieb. Egger ist skeptisch, dass sich das heuer wiederholt. Für ihn wäre es schon ein Erfolg, Ende des Jahres mit plus/minus Null abzuschließen. Grund sei die kräftige Teuerung bei Lebensmitteln, Treibstoffen und anderen Konsumartikeln. Egger: "Die Leute werden vorsichtiger bei ihren Ausgaben, sie müssen sparen."

Das sieht auch Evelyn Korrak vom Österreichischen Verein für Touristik (ÖVT) so: "Alles ist teurer geworden, viele Konsumenten müssen den Gürtel enger schnallen. Es geht sich nicht mehr alles aus." Beim ÖVT, der die Interessen von rund 300 privaten, mittelständischen Reisebüros vertritt, weist man auch darauf hin, dass immer mehr Geschäft durch Buchungen im Internet und durch Auslobung von Gratisreisen verlorengeht.

Schwächeres Reisejahr

Insgesamt dürfte heuer ein schwächeres Reisejahr werden als 2007. Darauf deuten auch Daten von Amadeus Österreich hin, eines auf Luftfahrt-Reservierungssysteme spezialisiertes Unternehmen. Demnach liegen die Buchungen für Pauschalreisen per Ende März kumuliert um zehn Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Dass sich die Situation noch wesentlich bessern wird, glauben Experten nicht. Korrak, die zwei Reisebüros in Neulengbach und Böheimkirchen führt, meint: "Wer im Juni frei nimmt und zu Hause bleibt, hat meist keine Reserven mehr, um später in den Urlaub zu fliegen." (Günther Strobl, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 9.5.2008)