Graz – Im Stiegenaufgang, der in jene Etage führt, auf der Michael Schusters Retrospektive "For Your Information" gezeigt wird, ist namentlich jeder willkommen: "To Whom It May Concern" prangt es in leuchtenden Lettern über dem Besucher: Ein Teil einer witzigen Serie, in der häufig verwendeten Phrasen ein Körper geschenkt wird, der aber auch mit dem Ort seines Auftauchens im Kontext gesehen werden kann. So wird in der Schau auch der Entwurf für das LKH Knittelfeld präsentiert, wo es zur Ermunterung der Patienten heißt: "Alles wird gut".

Auch Materie gewordene Kartografie, wie in der Arbeit "Eibisfeld", spielen mit der geschriebenen Sprache. Zwei Buchstaben aus einer alten Landkarte wurden genau an jener Stelle aus Holz nachgebaut, an der sie sich in der Karte befinden.

Doch das Spiel mit Wörtern ist nur ein Teil des Arbeitsspektrums von Schuster. Der wichtigste ist sicher die Fotografie. In einem schönen, spannenden Überblick über die letzten 15 Jahre der Kunst des Grazers werden in der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum in Graz derzeit insgesamt rund 80 Objekte, Installationen und Fotografien gezeigt.

Wiederkehrend sind offensichtliche und versteckte Kameras, die – vom unwissenden Betrachter ausgelöst – scharf schießen ("Autofocusfalle I-IV) und gleichzeitig selbst Objekte der Kunst werden. Auch digital abgebildete Filmrollen, von hinten betrachtetes Fotopapier oder im Panorama fotografierte und dann als Bild begehbare antike Ausgrabungsstätten spielen immer mit dem Wechsel: Fotokunst als Mittel oder Thema.

In Graz gibt es derzeit Schuster-Festspiele: Parallel zur Neuen Galerie, wo am Freitag Rolf Sachsse, Professor für Designgeschichte und Designtheorie an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken, einen Vortrag über Schuster hält, werden derzeit auch im neuen Showroom der "Artelier Contemporary" in der Griesgasse ähnliche Werke Schusters gezeigt. (Colette M.Schmidt / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.5.2008)