Mit der Nüchternheit des norditalienischen Geschäftsmannes brachte Luca Cordero di Montezemolo die Sache auf den Punkt: "Wir werden die neue Regierung nach den Fakten beurteilen", ließ der Fiat-Chef und mächtigste Industrielle Italiens am Donnerstag vor den Angelobungsfeierlichkeiten in Rom wissen. Das klang, wohl auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen der italienischen Geschäftswelt mit dem Kabinett Berlusconi II, doch recht verhalten. In den fünf Jahren zwischen 2001 und 2006 hatte der Cavaliere, der einst unter großem Applaus als Mann der Wirtschaft gestartet war, nicht viel für seine Leute zusammengebracht. Deswegen lautet die kaufmännische Devise in Sachen Politik jetzt: Was es wiegt, das hat's.

Berlusconis Startbedingungen sind diesmal allerdings besser als 2001. Seine Mehrheiten in Kammer und Senat sind übersichtlicher, viele der Mitglieder seiner Regierungsmannschaft sind ihm beinahe blind ergeben. Industrieminister Claudio Scajola, Kulturressortschef Sandro Bondi oder Frauenministerin Mara Carfagna hätten ihre politischen Karrieren ohne Berlusconi nicht gemacht. Die renitenten Koalitionäre von damals sind weniger geworden, nur die Lega Nord birgt noch die Gefahr einer gewissen Unberechenbarkeit.

Andererseits hat sich auch die Lage des Landes, wesentlich unter der Ägide des Mailänder Magnaten und gewissermaßen Teilzeitpolitikers, dramatisch verschlechtert. Berlusconi muss jetzt mit den Versäumnissen fertig werden, die maßgeblich er zu verantworten hat. Seine Marketingpolitik, die schon beim letzten Mal versagt hat, wird es diesmal schwerer haben, inhaltliche Defizite und den enormen Reformstau zu kaschieren.

Berlusconi selbst weiß das am besten. Entsprechend ernst war auch seine Miene, als er Staatspräsident Napolitano im Quirinal seine Ministerliste übergab. Diesmal wird es mit ein paar Witzen, manchmal atemberaubender Unverfrorenheit und viel Schönwetterpolitik nicht getan sein. Was es wiegt, das hat's - Silvio Berlusconi ist in der Tat Geschäftsmann genug, um sich auszurechnen, was das bedeutet. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2008)