Wahre Liebesgeschichten enden nie. Das kann auch für Bücher gelten, etwa für die Romane Philippe Djians. Zwar tosen die Bücher des französischen Kultautors heute nicht mehr Wildbächen gleich dahin, leiser, belangloser ist Djian geworden, doch seine frühen Werke muss man gelesen haben. Verraten und Verkauft vor allem und natürlich Betty Blue – 37,2° am Morgen . Mit diesem Roman um einen verkappten Schriftsteller, der vom Leben wenig erwartet, und Betty, der Frau, die auf der Suche nach dem Glück ist und dabei keine Kompromisse eingeht, schaffte Djian 1985 den Durchbruch. Selten zuvor hatte man so eine Liebesgeschichte gelesen, was nicht nur mit den beachtlichen Mengen Bier, die fließen, zu tun hat und dem Rhythmus von Djians Sprache, sondern vor allem mit der Art und Weise, wie Djian die vermeintliche Tristesse des Alltags glänzen lässt. Die Verfilmung mit Béatrice Dalle als Betty ist legendär, die deutsche Übersetzung des Romans erscheint gerade in der 24. Auflage, und nun ist eine gekürzte Fassung des Romans als Hörbuch erschienen. Schön. Nur ist Ben Becker, der liest, Stoff und Medium nicht gewachsen. Zu dunkel, zu variationslos ist sein Tonfall, und schlichtweg unerträglich sind die mit erhöhter Stimme gelesenen Betty-Passagen. Allerdings lassen wir uns Betty auch von Becker nicht kaputtlesen. Im Gegensatz zum Hörbuch reißt einen der "richtige" Roman vom Hocker. Wie meinte Djian: "Die Sitzplätze sollte man denen überlassen, die wirklich leiden." (Stefan Gmünder, ALBUM/DER STANDARD, 10/11.05.2008)