Vollkontakt mit dem Publikum: Deus begeisterten im Wiener Flex mit Härte und Groove.

Foto: Newald

Wien - "This song is called suds and it's also called soda." Oder so ähnlich. Man möge verzeihen, aber bei der Ankündigung der letzten Zugabe war die Aufnahmefähigkeit schon ein wenig bis sehr von der Euphorie überlagert. So oder so ähnlich wurde der obligatorisch gegebene Hit Suds & Soda aus dem Debütalbum Worst Case Scenario (1994) angekündigt - und zum finalen Höhepunkt.

Nach Ende des Konzerts der belgischen Band Deus am Sonntagabend sprudelte es am Ort der Erleichterung gleich doppelt: "Der reine Wahnsinn!", "Sooo supa!" oder "Unpackbar!" und dergleichen Superlative mehr plätscherten nach gut zwei Stunden Konzert aus den offenen Mündern verschwitzter Konzertbesucher.

Zu Recht.

Deus, gegründet in den frühen 90ern in Antwerpen, bespielten ein ausverkauftes Flex mit selten gewordener Dringlichkeit. Dabei widerspiegelte das gebotene Programm, ein Querschnitt aus insgesamt fünf Alben, die qualitative Stringenz der Band um ihren Sänger und Gitarristen Tom Barman sowie den der Band mit Geige und Synthie ihren charakteristischen Sound verpassenden Klaas Janzoons.

Aus forciertem Gitarrenrock wird mit lässigen Grooves aus Synthie und Laptop eine gefährlich infizierende Mischung hochgekocht, die, von diversen kongenial eingesetzten Lichtspielchen, auf der Bühne nachgerade explodiert.

Dazu ertönt schneidend klar oder auch brachial verzerrt die wahlweise gestrichene oder als Gitarre misshandelte Geige Janzoons, dessen Arbeit auch auf dem eben erschienenen Album Vantage Point (V2/Universal) wieder einen Gutteil des originären Grooves der Band verantwortet. Ähnliches schaffen in raren Momenten nur die US-Band Girls Against Boys, aber messen müssen sich Deus ohnehin mit niemandem.

Beim letzten Konzert vor einer kurzen Tourpause herrschte jedenfalls auf und vor der Bühne helle Begeisterung: Zackige mit Disco-Affinität um zusätzliche Funkiness aufgeladene neue Songs wie The Architekt zählen mit zum Besten, was Deus je veröffentlicht hat. Die souveräne Balance aus Groove und Härte von Stücken wie Slow oder Is a Robot bestachen live ebenso, wie sie es auf dem Album tun.

Deus nach diesem Konzert naheliegend als göttlich zu beschreiben wäre banal, mit Widerwort wäre aber kaum zu rechnen. Sehen Sie selbst: Am 7. Oktober spielen Deus in der Wiener Arena! (Karl Fluch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 5. 2008)