Die börsenotierte teilstaatliche Telekom Austria schweigt eisern zu den immer heftigeren Spekulationen, wonach der Ex-Monopolist weiter zerschlagen werden könnte. Inzwischen sollen sich bereits die ersten Interessenten an der Mobilfunktochter Mobilkom Austria gemeldet haben. Wie erstmals vom "Standard" berichtet soll die Telekom planen, ihre Cash Cow Mobilkom an die Börse zu bringen, während der kränkelnde Festnetzbereich ebenfalls eigenständig an die Börse kommen oder re-verstaatlicht werden soll. Einziges Kommentar des Unternehmens, das sich noch zu 27,4 Prozent im Staatsbesitz befindet: "Dazu sagen wir nichts."

Zukunftsvision

Dabei soll es bereits über Pfingsten genug zu reden gegeben haben. Wie mehrere Zeitungen berichten, sollen sich die Aufsichtsräte der Telekom im kroatischen Dubrovnik getroffen haben bzw. noch immer zusammensitzen. Ziel: Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic wolle die Aufsichtsräte auf seine Zukunftsvision einschwören. Die Telekom wollte zur Aufsichtsratssitzung heute keine Stellungnahme abgeben.

Unkündbare Beamte

Genauso wenig wollte sie sagen, was passiert, wenn die ÖIAG-Arbeitsagentur für angeblich überzählige unkündbare Telekom-Beamte nicht kommt. Laut übereinstimmenden Medienberichten ist die Jobagentur eine Grundvoraussetzung für einen weiteren Börsegang der Telekom. Und natürlich fehlt auch noch das Okay der Aktionäre. Ob die im Herbst in einer außerordentlichen Hauptversammlung - wie zu lesen ist - befragt werden, ließ die Telekom ebenfalls offen. Die ordentliche Hauptversammlung findet nächsten Dienstag statt.

Erste Interessenten

Laut "Wirtschaftsblatt" von heute sollen schon die ersten Interessenten an der Mobilkom angeklopft haben. Neben der spanischen Telefonica und der Vodafone (bereits Partner der TA) sei der dritte - und aussichtsreichste - Kandidat der russische Oligarch Wladimir Jewtuschenkow. Jewtuschenkow ist Gründer und Mehrheitseigentümer des russischen Mischkonzerns Sistema. Mit einem Privatvermögen von 10 Mrd. US-Dollar (6,48 Mrd. Euro) wird er auf der Forbes-Liste als Nummer 18 der reichsten Russen geführt. Die wichtigste Tochterfirma von Sistema ist das Mobilfunkunternehmen MTS. MTS ist Marktführer in Russland und weiters in Weißrussland, der Ukraine, Usbekistan, Turkmenistan und Armenien mit GSM-Lizenzen aktiv.

Widersprüchliche Signale

Von der österreichischen Politik kamen bisher widersprüchliche Signale. Während sich die ÖVP eine ÖIAG-Arbeitsagentur und weitere Börsegänge vorstellen kann, ist man bei der SPÖ eher skeptisch. Die Grünen haben sich ebenfalls skeptisch gezeigt und eine parlamentarische Anfrage eingebracht. Es könne nicht sein, dass die Telekom "ihre Gewinne privatisiert, die Schulden aber den Steuerzahlern auf den Rücken bindet", hieß es kürzlich von der Grünen Verkehrssprecherin Gabriela Moser. Unmissverständlich deutliche Worte fand bereits die Gewerkschaft: Komme die Arbeitsagentur, werde die ÖIAG "Kampfmaßnahmen erleben, die sie bisher noch nicht gesehen hat".(APA)