Hamilton - Wenn es um Gruppeverhalten geht, siegt oft der Druck der Mehrheit über die Erfahrung des einzelnen Individuums. Eine entsprechende kanadische Studie kommt auch bei Tieren zu diesem Ergebnis: Wissenschafter der McMaster University in Hamilton konnten nachweisen, dass Ratten beim Fressen einem Gruppendruck unterliegen und dabei sogar eigene, schlechte Erfahrungen über Bord werfen, meldet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

In einem ersten Schritt vergällten die Wissenschafter Ratten den Genuss von Futter-Pellets mit Zimt-Aroma, indem sie ihnen nach jeder Mahlzeit ein schwindelerregendes Medikament verabreichten. Tatsächlich bevorzugten diese trainierten Tiere anschließend eindeutig mit Kakao aromatisiertes Futter, das Zimt-Futter wurde gemieden.

Anschließend brachten die Forscher die Tiere mit sogenannten Demonstratoren zusammen. Das waren andere, nicht trainierte Ratten, welche einfach mit Zimt-Aroma gefüttert wurden auch entsprechend rochen. Tatsächlich legten die Zimt-Verweigerer ihre Abscheu gegenüber dem Gewürz ab und begannen auch wieder Zimt-Futter zu mögen.

Frage nach Sinnhaftigkeit

Bisher konnte ein derartiger Gruppenzwang als Beispiel für soziales Lernen nur für Menschen und Schimpansen nachgewiesen werden. Noch rätseln die Forscher, wozu dieser Gruppendruck überhaupt sinnvoll ist, warum Tiere und Menschen bisweilen ihre eigenen Erfahrungen außer Acht lassen. (APA/red)