Louis Michel hat sich auf den Weg gemacht. Der EU-Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe flog am Dienstag gleich im Anschluss an ein Krisentreffen seiner Ministerkollegen aus den EU-Staaten Richtung Burma (Myanmar). Der Militärjunta wolle er selbst erklären, wie wichtig es wäre, internationale Hilfe für die Flutopfer ins Land zu lassen, so hieß es. Und wenn er, in der thailändischen Hauptstadt Bangkok sitzend, Tage auf eine Einreisebewilligung warten müsse.

Während Chinas Führung mit offenen Armen Hilfslieferungen für die Opfer des enormen Erdbebens empfängt, versucht das regierende Militär in Burma auch bald zwei Wochen nach dem Wirbelsturm "Nargis", ausländische Unterstützung so weit wie möglich zu beschränken. "Bisher hat die Nation keine humanitären Helfer benötigt", versicherte Vize-Admiral Soe Thein im Regierungsblatt Neues Licht von Myanmar. Gut möglich, dass sich das nun ändert: China ist Burmas wichtigster politischer Verbündeter. Das international isolierte Land ist von Peking immer wieder vor Verurteilungen im UN-Sicherheitsrat bewahrt worden. Pekings Einfluss auf die Junta ist begrenzt, aber er existiert.

Risiko der Öffnung Was die kommunistische Führung in Peking akzeptiert, könne die Junta auch ruhig annehmen, so könnte der Rat der Chinesen nun während dieser Zeit der "Katastrophen-Diplomatie" nach Erdbeben und Wirbelsturm lauten. Denn abzuwägen ist schließlich die Gefahr, die einem Regime durch die Öffnung nach außen droht oder aber durch die eigene Bevölkerung, die andernfalls im Stich gelassen wird.

Schon Anfang 2007, als die USA und Europa wieder mehr Druck auf Burmas Militär machten, um ihr Regime zu demokratisieren und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi endlich freizulassen, reiste ein hoher Emissär aus Peking nach Burma. Tang Jiaxuan soll das Militär damals gedrängt haben, mehr mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. Wer Biegsamkeit zeigt, macht sich weniger angreifbar. Peking hatte lange auf Khin Nyunt gesetzt, den früheren burmesischen Premierminister und Chef des Geheimdienstes. Er sollte als vergleichsweise moderates Mitglied der Junta Burmas Regime auf den Kurs der "good governance" bringen. Khin Nyunt aber wurde 2004 abgesetzt und unter Hausarrest gestellt.

Die Episode zeigte, dass auch Peking nicht der Junta die Hand führen kann. Burma hat für China dabei strategische Bedeutung: als Zugang zum Indischen Ozean und als ein Gegengewicht zur amerikanischen Präsenz in Südasien. Selten aber war der Druck der UNO so stark auf das Regime. Ban Ki Moon, der sonst so zurückhaltende Generalsekretär, sprach von seiner "immensen Frustration" angesichts der Blockadehaltung der Junta. (Markus Bernath, DER STANDARD Printausgabe, 14.5.2008)