Wien - "Mich wundert, dass der Mann selbst noch lebt", erklärte Psychiater Max Friedrich die Wahnsinnstat jenes 39-jährigen Mannes, der am Dienstag laut Polizeiangaben seine gesamte Familie getötet haben soll.

"Dieser Mensch muss einen unermesslichen Hass auf alles haben, was mit ihm und seiner Partnerin zu tun hat", erklärt der Psychiater. "Die Tat war ein Rachefeldzug mit dem Ziel alles zu zerstören, was mit seiner Herkunft zu tun hat."

"Sogar das eigene Kind wurde getötet. Das Kind ist ein Mitsymbol der Partnerin", erklärte Friedrich. "Das war kein Amoklauf, das war ein vorsätzlicher Tötungsakt. Ganz genau geplant und bei vollem geistigen Bewusstsein. Der kognitive Anteil war korrekt, sonst hätte er kein Auto von Oberösterreich nach Wien lenken können in dem Bewusstsein, drei Menschen umgebracht zu haben", so Friedrich.

Hoch narzisstisches Potenzial

Der 39-jährige mutmaßliche Täter hat laut dem Psychiater ein hoch narzisstisches Potenzial, wenn er nach so einer Tat noch lebt. Sich selbst zu stellen, hebe diesen Narzissmus noch hervor. "Ich habe etwas Schlimmes getan und stehe auch dazu", analysierte Friedrich. Dem Ganzen könne aber auch eine psychische Krankheit zugrunde liegen.

Keine Handlung aus dem Affekt

Die Tat dürfte genau geplant gewesen sein. Eine Handlung aus dem Affekt sei hier nicht zu erkennen. "Der Mann hatte offensichtlich genug", so Friedrich. Die Axt als Tatwaffe sei ein Symbol, das auf eine Hinrichtung deute. Von Eifersucht bis zu biblischem Hass könne der Tat jedes denkbare Motiv zugrunde liegen.

Das Geschehene sei eine Seltenheit. "So etwas kann man nicht generalisieren", erläuterte der Psychiater. Mit Gewalt in der Familie habe das weniger zu tun, "das war ein reines Tötungsdelikt". (APA)