Keine Stellungnahmen der Unternehmen - Pipeline bei Medigene gut gefüllt Frankfurt - Der US-Pharmariese Pfizer sondiert Branchenkreisen zufolge den deutschen Biotechnologie-Markt nach Zukäufen und hat dabei Medigene ins Visier genommen. Wie Reuters von zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen erfuhr, prüft Pfizer auch eine Übernahme des Unternehmens aus Martinsried bei München. "Pfizer schaut sich das an", sagte eine Person. Der US-Konzern habe mit dem Management bereits Gespräche geführt, sagte eine zweite Person. Pfizer und Medigene lehnten eine Stellungnahme zu den Informationen ab.

Die Medigene-Aktie sprang nach dem Reuters-Bericht um 13 Prozent auf ein Jahreshoch von 6,30 Euro. Damit ist Medigene an der Börse etwa 210 Mio. Euro wert.

Übernahmen

Bereits in der Vergangenheit hatte der weltgrößte Arzneimittel-Hersteller kleinere Firmen mit vielversprechenden neuen Produkten oder Technologien erworben. Pfizer-Finanzchef Frank D'Amelio hatte am Dienstag gesagt, der Pfizer müsse keine größeren Übernahmen für zehn bis 15 Mrd. Dollar (6,46 Mrd. Euro bis 9,69 Mrd. Euro) anzugehen. Zuletzt habe der Fokus auf kleineren Transaktionen gelegen. Analysten hatten Pfizer dazu geraten, für Arzneimittelhersteller bis zu 15 Mrd. Dollar auszugeben, um den Bestand an Medikamenten vor dem Patentablauf des Verkaufsschlagers Lipitor aufzufüllen. Der Cholesterinsenker verliert voraussichtlich 2012 seinen Patentschutz in den USA.

Medigene ist die einzige deutsche Biotechfirma, die schon zwei Medikamente auf dem Markt hat: Das Prostatakrebsmittel Eligard und die Genitalwarzensalbe Veregen. Für ein weiteres Mittel, das Hautpräparat Oracea, wird die Zulassung in Europa in einigen Wochen erwartet. Die Pipeline für den Produktnachschub ist gut gefüllt, darunter das von Experten als vielversprechend eingestufte Krebsmedikament Endotag. Medigene traut allein diesem Mittel Spitzenumsätze von mehr als einer Milliarde Euro zu.

Weiteres Interesse

In den Kreisen hieß es, Pfizer sei nicht nur an Endotag interessiert, sondern habe das ganze Unternehmen im Visier. Vor kurzem war Medigene nach eigener Einschätzung der Durchbruch in der klinischen Entwicklung von Endotag gelungen. Die Aussichten auf eine Partnerschaft seien mit den Daten aus einer Studie zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs deutlich gestiegen. "Mehrere führende Pharmaunternehmen haben bereits starkes Interesse bekundet und Gespräche zur Verpartnerung von Endotag mit uns begonnen", hatte Vorstandschef Peter Heinrich gesagt.

Medigene sieht das Umsatzpotenzial aller seiner Medikamentenkandidaten, die sich in der klinischen Entwicklung befinden, bei mehr als drei Mrd. Euro. Dazu kommen erwartete jährliche Spitzenumsätze von mehr als 100 Mio. Euro bei Eligard und über 150 Mio. Euro bei Veregen. (APA/Reuters)