Wien - Geldsorgen und seiner Familie "die Schmach ersparen zu wollen", lauten bisher die möglichen Motive für die Wahnsinnstat des 39-jährigen Oberösterreichers, der am Dienstag seine Familie auf brutale Weise auslöschte.

"Das allein könne aber die Tat nicht rechtfertigen. Es gibt viele Leute, die Schulden haben", erklärte der Wiener Psychologe Hanspeter Hochfilzer. "Mit Rückschlägen kommt man besser zurecht, wenn man eine solide Beziehungsbasis hat. In diesem Beziehungsgefüge war wahrscheinlich einiges nicht in Ordnung", erklärte der Psychologe.

"Wenn es Menschen gibt, denen ich tief vertrauen kann, dann sind die Chancen geringer, dass es zu solchen Taten kommt", sagte Hochfilzer. Im aktuellen Fall wirke es auf den ersten Blick zwar nicht, als ob kein Familiengeflecht vorhanden gewesen wäre. "Räumliche Nähe zur Familie heißt aber nicht, dass die Beziehung zu den Mitgliedern auch eng ist", erklärte der Psychologe. Als Beispiel nannte er Familien, wo mehrere Generationen in einem Haus leben.

Geldprobleme können psychischen Engpass auslösen

Geldprobleme können für akuten Stress sorgen. "Es gibt Situationen, wo jemand in psychischen Engpass kommt. Das passiert allerdings sehr selten, da geschehen aber dann derart grausliche Dinge", sagte der Wiener Psychologe. Bei Gewalttätern in der Familie lassen sich immer lebensgeschichtliche problematische Gewalterfahrungen erkennen. Was konkret in einem Menschen vorgehe, der zu solchen Taten, wie im aktuellen Mordfall, fähig ist, sei schwer zu beurteilen. Oft kommen mehrere Faktoren wie psychische Misshandlungen, Verwahrlosungen, Beziehungsabbrüche zusammen. Die Menge an problematischen Erfahrungen mache es aus.

Wir wissen noch nicht viel über den Mann

Hätte die Beziehung zur Familie aber gepasst, wäre es vermutlich nicht zu so einer Tat gekommen. "Es spricht nicht für viel Vertrauen zu sich selbst und in seine Familie. Diese stützt normalerweise bei Fehlschlägen. Das Handeln des Mannes spricht für tiefe innere Isolation, Einsamkeit, Hoffnungs- und Perspektivenlosigkeit", sagte Hochfilzer. Dieses Beziehungsvakuum führe zu Aggressionen. "Es spielen aber vielleicht auch andere Dinge eine Rolle, von denen man jetzt noch gar nichts weiß", so der Fachmann. (APA)