Aus der Schmuckkollektion von Hugo Boss

Foto: Hersteller
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"Wir verkaufen nicht nur Produkte, sondern ein Image", sagt Boss-Designer Andrea Cannelloni.

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1399 Karat. Es gab wenige bunte Blätter, die nach der diesjährigen Oscarverleihung nicht auch das überdimensionale Ding beschrieben, das Nicole Kidman am Hals und über ihrem Baby-Bauch trug. 7645 Diamanten, in Reih und Glied gebracht von der Designerin L'Wren Scott. Ein Monster von einem Collier - und ein Fingerzeig, dass Schmuck nicht nur ein Thema auf dem roten Teppich ist.

Vor allem in etwas weniger hochkarätiger Ausführung: Seitdem ein Modehaus nach dem anderen eigene Schmuckkollektionen entwirft, liegt der Fokus bei Modeschauen nicht mehr nur auf den Rüschen und Faltenwürfen der Gewänder, sondern auch auf den Kreationen an Hälsen und Fingern. "Modeschmuck ist in schwierigen Zeiten ein einfacher Weg, seine Garderobe aufzumotzen", befand kürzlich das Fachmagazin Women's Wear Daily. Nachdem die allgemeine Handtaschenmanie ihren Zenit überschritten hat, suchen Modekonzerne von Balenciaga bis hin zu Banana Republic andere Wege, das Geschäft mit den Accessoires anzutreiben.

Modeschmuck steht dabei neuerdings an erster Stelle - auch bei Hugo Boss. "Wer nicht einfach nur Produkte, sondern ein Image verkaufen will, der kommt um Schmuck nicht herum", erklärt Andrea Cannelloni, der zusammen mit Ingo Wilts für die Schmuckagenden des Hauses zuständig ist. Schmuck stelle für viele Käufer eine Art erste Bindung an ein Designerlabel dar. "Einen Anzug oder ein Kleid um 1000 Euro kann sich nicht jeder leisten, ein Schmuckteil um 100 Euro allerdings schon."

Leder oder Kunstharz

Vom Geschäftsmodell, das im Parfümbereich seit langem bestens funktioniert, erhofft man sich eine Ankurbelung der übrigen Sparten. Wichtig dabei sei, dass der Schmuck auf die Mode des Hauses abgestimmt ist. "Wir arbeiten mit Sterlingsilber und Edelstahl, geben den Ketten einen antiken Touch, kombinieren manche Stücke mit Leder oder Kunstharz", erklärt Cannelloni. Auf vielen Teilen ist auch der Namenszug des deutschen Modegiganten zu lesen. Mehr als 600 Euro soll keines der Schmuckstücke kosten.

Im Grunde ein ähnliches Prinzip wie jenes des Hauses Chanel, das bereits zu Cocos Zeiten Modeschmuck zu einem wichtigen Element der eigenen Kollektionen machte. Madame Chanels Antrieb war weiland ein zutiefst demokratischer. Schmuck, der den Stand und die finanziellen Möglichkeiten des Trägers (bzw. des Ehemanns) unterstrich, sollte für jeden leistbar werden. Mittlerweile hat man im Hause Chanel allerdings längst auch Echtschmuck im Angebot.

Bei Hugo Boss steht dieser Schritt nicht zur Debatte. Gemeinsam mit dem Lizenznehmer, einer Tochterfirma von Swarovski, will man den Namen Boss noch stärker im Lifestyle-Segment als im Anzug-Business positionieren. Als Herrenausstatter will man sich in Metzingen, dem Firmensitz von Boss, schon längst nicht mehr bezeichnen lassen. "Wir sind eine Lifestyle-Brand", sagt Andrea Cannelloni. Jetzt lässt sie sich auch um den Hals hängen. (hil/Der Standard/rondo/16/05/2008)