Wien - Deutschland wird Fußball-Europameister. Das prognostizieren Statistiker der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien in einer neuen Studie. Die Wahrscheinlichkeit der Deutschen, den EURO-Pokal entgegenzunehmen, liegt bei 19 Prozent und damit am höchsten von allen 16 teilnehmenden Mannschaften. Die Chancen auf den Titelgewinn der Österreicher berechneten die WU-Wissenschafter dagegen nur mit 1,3 Prozent. Die Prognose basiert auf den veröffentlichten Wettquoten von 45 internationalen Wettanbietern.

Wie Studienautor Christoph Leitner vom Department für Statistik und Mathematik erklärte, wurde bei der Studie eine neue Methode für eine Titelprognose verwendet. Statt historischer Daten, wie sie etwa beim FIFA-Rating zum Einsatz kommen, verwendeten die WU-Statistiker als Ausgangsbasis für ihre statistische Prognose die Wettquoten von 45 internationalen Buchmachern, die für den Fall eines Titelgewinns ausbezahlt werden.

Neue Methode

Daraus berechneten sie die Wahrscheinlichkeit für Sieg bzw. Niederlage bei allen möglichen Begegnungen aller Mannschaften. Schließlich wurde der gesamte Spielverlauf der EURO 100.000mal simuliert und die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Ereignisse, etwa den Titelgewinn oder das Erreichen des Viertelfinales, einer Mannschaft berechnet.

Zur Erklärung noch ein Beispiel, wie Wahrscheinlichkeits-Angaben zu lesen sind: Die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich ein Spiel gegen Deutschland gewinnt, beträgt laut WU-Prognose rund 25 Prozent. Das bedeutet, dass bei vier Spielen der beiden Teams eines wie "Cordoba '78" endet.

Und so sehen die Ergebnisse der WU-Berechnungen im Detail aus: Am wahrscheinlichsten (13,9 Prozent) ist laut WU-Prognose ein Finale zwischen Deutschland und Spanien, das von den Deutschen mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent gewonnen wird. Griechenland werden mit 3,4 Prozent nur geringe Chancen eingeräumt, den Titel erfolgreich zu verteidigen.

Im Gegensatz zu zwei bekannten Rating-Systemen, dem FIFA- und dem Elo-Rating, hat nach Ansicht Leitners der Heimvorteil einen positiven Einfluss auf die Titelchancen der Gastgeberländer Österreich und Schweiz. Die Wahrscheinlichkeiten sind allerdings dennoch eher gering und liegen bei der Schweiz bei 4,0 Prozent und bei Österreich mit 1,3 Prozent am geringsten von allen antretenden Mannschaften.

Laut Leitner sehen FIFA- und Elo-Rating (www.eloratings.net) - im Gegensatz zu den WU-Statistikern - Italien als EURO-Favorit. In der WU-Studie hat der amtierende Weltmeister allerdings mit 10,6 Prozent eine deutlich geringere Chance das Turnier zu gewinnen.

Deutsches Losglück berücksichtigt

Klar zeigte die Studie auch den Einfluss der Gruppeneinteilung für die Vorrunden: So seien die vier Teams der sogenannten "Todesgruppe" C (Italien, Frankreich, Niederlande, Rumänien) klar benachteiligt, während Deutschland Losglück hatte und in der "klar leichtesten Vorrundengruppe antritt", so Leitner. Damit würden die Titelchancen der Deutschen im Vergleich zu einer anderen Gruppenzuteilung oder zu einer Meisterschaft, bei der jedes Team zumindest einmal gegen jedes andere Team antritt, deutlich steigen. (APA)