Jan Tamas (links) und Jan Bednar bei der Pressekonferenz zu Beginn ihres unbefristeten Hungerstreiks.

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Seit Dienstag sitzen Jan Tamas und Jan Bednar in einem eigens angemieteten Geschäftslokal in der Prager Innenstadt. Die beiden Aktivisten wollen keine feste Nahrung zu sich nehmen, bis die tschechische Regierung ihre Forderungen erfüllt.

Tamas, der Vorsitzende der tschechischen Humanistischen Partei, und sein Kollege Jan Bednar wollen ihren Hungerstreik erst abbrechen, wenn die Regierung einen Stopp der Verhandlungen über das umstrittene US-Rüstungsprojekt erklärt, eine Volksabstimmung zusagt oder zumindest eine TV-Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern des Raketenabwehrsystems zulässt. Bisher wurde die Debatte nämlich unter Ausschluss weiter Bevölkerungsteile geführt, kritisiert Tamas: „Das erinnert mich an die Zeit vor 1989, als Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg getroffen wurden.“

Die Reaktionen auf den Hungerstreik waren bisher äußerst positiv, berichtet Jan Tamas im Gespräch mit derStandard.at: „Andauernd kommen Leute in der Belehradska-Straße 12 vorbei und bringen uns Wasser oder Getränke“, erzählt er, „auch in zahlreichen europäischen Städten finden Solidaritätskundgebungen statt.“

Mehrheit lehnt US-Radar ab

Laut der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Median sind 65 Prozent der Bevölkerung gegen den Bau des US-Radars in ihrem Land, während nur 18 Prozent dafür sind. Die restlichen 17 Prozent sind unentschieden. Anfang Juni soll der Vertrag mit den USA unterzeichnet werden, erst dann wird das umstrittene Projekt voraussichtlich Ende Juni oder Anfang Juni im Parlament diskutiert. „Die Regierung weigert sich seit Monaten, die Fragen der Opposition vor Beginn der offiziellen Debatte zu beantworten“, kritisiert Tamas.

Obwohl die Regierung nur über 100 der 200 Parlamentssitze verfügt, macht er sich wenig Hoffnungen, dass die Volksvertreter den Bau der Anlage verhindern: auf die beiden Abgeordneten der an der Regierung beteiligten Grünen, die angekündigt haben, dagegen zu stimmen, werde massiver Druck ausgeübt. Außerdem erwartet er, dass mehrere Mitglieder der oppositionellen Sozialdemokraten gegen die Parteilinie für das Rüstungsprojekt stimmen werden. (Berthold Eder, derStandard.at, 15.5.2008)