Der derzeitige nigerianische Teamchef Berti Vogts weilte auf Einladung von "Österreich am Ball" zum Plaudern in Wien. Sein Freund Josef Hickersberger kam dazu. Zugehört hat Fritz Neumann.

Vogts: Danke für die Einladung. Ende Mai gastiere ich ja mit Nigeria in Wien. Mein Kollege Josef Hickersberger hat es ja nicht einfach in Österreich. Ich bin ein wenig traurig darüber, welcher Negativismus hier vor der EURO herrscht.

Was trauen Sie den Österreichern bei der Heim-EM zu?

Vogts: Ich sage Ihnen, die Mannschaft wird getragen werden. Von der Bevölkerung, von der Begeisterung. Österreich wird ein sehr, sehr gutes Turnier spielen.

Was muss geschehen, damit sich die Stimmung ändert?

Vogts: Nicht elf, sondern 23 Spieler oder mehr bilden das Team. Und die Medien gehören auch dazu. Gut, die Medien schießen keine Tore, aber sie können zur Stimmung beitragen. Vor allem junge Spieler lassen sich schon beeinflussen von den Medien. Österreichs 3:2 gegen die Elfenbeinküste war ein herausragendes Resultat, das ist das momentan vielleicht beste afrikanische Team. Ich wünsche dem Josef viel Glück und alles Gute, nur nicht im EURO-Finale gegen Deutschland.

Österreich war bei der U20-WM als Vierter recht erfolgreich. Sind Ihnen junge Österreicher schon aufgefallen?

Vogts: Ich habe Martin Harnik mit Bremen im Pokal gesehen, der ist aggressiv und schnell, der schafft den Sprung. Die Unbekümmertheit der Jungen kann etwas bringen. Aber Josef darf nicht zu viele einbauen. Bei mir in Nigeria ist es ganz ähnlich, die waren U17-Weltmeister. Aber ich kann nicht im Afrika-Cup gegen die Elfenbeinküste einen 17-Jährigen gegen Drogba spielen lassen, das geht nicht. Die gute Balance ist wichtig.

Sie waren schottischer Teamchef, haben da wohl gesät, was sie jetzt nicht ernten können. Die Schotten haben eine gute Chance, zur EURO zu fahren.

Vogts: Ich sollte damals, 2002, das überaltete Team verjüngen. Ich hab etwa einen Etablierten von den Rangers durch einen 18-Jährigen von Midlo-thian ersetzt. Da fliegt einem viel um die Ohren. Jetzt sind aus den jungen Spielern Männer geworden. Für mich wäre das gar keine Überraschung, wenn Italien scheitert. In Schottland gewinnen zu wollen, das ist, als wollte man eine Festung einreißen. Ob ich beteiligt bin? Die Schotten sind jedenfalls sehr freundlich zu mir, das ist ein gutes Zeichen.

Wenn Sie die deutsche Mannschaft von 2006 mit jener vergleichen, die 1972 Europameister wurde, wie fällt der Vergleich aus?

Vogts: Er ist gar nicht zulässig. So erfreulich sie war, rein fußballerisch war die WM 2006 kein so großes Turnier. Aber 1972, das war das beste Team, das je für Deutschland gespielt hat. Ich kann das sagen, ich war damals verletzt, habe nur von der Bank aus zugesehen.

Sie haben in 96 Länderspielen ein einziges Tor erzielt.

Vogts: Zwei waren es. Das sollten Sie als Österreicher eigentlich wissen.

Sie meinen 1978, Österreichs 3:2-Sieg in Cordoba? Eigentore zählen wir nicht mit.

Vogts: Dann bleibt tatsächlich nur ein einziges. Gegen Malta war das, wir haben 6:0 oder 7:0 gewonnen. Da wurde ich bei einem Corner wohl ungewollt angeschossen. - Josef, mein Freund, grüß dich.

Hickersberger (kommt dazu, Umarmung, Schulterklopfen): Der Berti! 1968 haben wir in der WM-Qualifikation gegen Deutschland daheim 0:2 verloren. In neunzig Minuten bin ich kein einziges Mal am Berti vorbei gekommen. Daran hab ich geknabbert. Ich glaube, weder mit Offenbach noch Düsseldorf habe ich je beim Berti in Gladbach gewonnen. Der Berti war einer meiner gefürchtetsten Gegenspieler.

Vogts: Jetzt hör schon auf, du lebst ja noch! (DER STANDARD Printausgabe 06.11.2007)