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Foto: EPA/Filip Singer
Kein Sport ohne Partner und kein Laufsport ohne Band. Nicht jeder Sehende wird das verstehen. Denn Ausleben können Blinde ihren Bewegungsdrang nur in sehender Begleitung: Eine Schrittlänge voneinander entfernt, über ein 30 cm langes Band miteinander verbunden.

Das Begleiten ist keine Kunst

"Begleiterinnen sind schwer zu finden", bedauert Andrea Jandl, Sektionsleiterin für Blindensport im Versehrtensportklub ASVÖ-Wien und ist überzeugt, dass mehr Sehbehinderte an Laufveranstaltungen teilnehmen würden, gäbe es mehr "Laufguides". Dabei ist das Begleiten keine Kunst.

Ausbildung ist keine erforderlich, eine Qualifikation aber durchaus Vorraussetzung: Der sehender Läufer braucht für Langstreckenbewerbe die bessere Ausdauer und muss im Sprinten der Schnellere sein. Ist der Blinde ein Anfänger – kein Problem.

Gute Läuferinnen sind rar

Andrea Jandl will mehr. Sie ist eine blinde und ambitionierte Hobbyläuferin. Was zählt, ist auch Leistung. Bei Wettkämpfen stellt sie ihr Können gern unter Beweis. Ihre Laufbegleiter sind daher oft Männer, denn Frauen mit höherem Laufniveau als dem ihren, finden sich selten. "Gute Läuferinnen laufen Bewerbe gern selbst", erzählt Jandl und zeigt dafür durchaus Verständnis.

Sehbehinderte Frauen bleiben bei Laufveranstaltungen damit weiter die große Ausnahme. So auch beim diesjährigen Österreichischen Frauenlauf. Ob Jandl heuer starten wird, ist noch offen. Begleiterin hat sich bis jetzt keine gefunden.

Startprobleme bei Gedränge

14.603 Frauen und Mädchen standen 2007 beim Frauenlauf im Wiener Prater am Start. Angst vor Gedränge kennt die blinde Wienerin nicht, auch wenn sie beim letzten Halbmarathon leider zu Sturz gekommen ist. "Sehbehinderte müssen weit vorne starten", sagt sie und erklärt worauf es ankommt. Das Problem ist auch Sehenden bestens bekannt: Der Anfang jeder größeren Laufveranstaltung ist mühsam. Es staut. Minutenlanges Ausweichen und Überholen ist üblich. Das ist ärgerlich, aber alleine kein Grund zu verzweifeln.

Laufpartner am Handgelenk

Laufen im Doppelpack funktioniert jedoch anders. Der Begleiter sieht und agiert für sich und den blinden Läufer. "Beim Weglaufen nimmt mich mein Laufpartner am Handgelenk", erzählt Jandl. Damit sinkt zwar das Sturzrisiko, die Chance für einen persönlichen Streckenrekord aber ebenfalls. Denn schnell läuft es sich auch blind nur mit Armfreiheit.

Buddysystem

Liegen die Startschwierigkeiten hinter dem Laufpaar, dann funktioniert es ähnlich wie zwischen Buddy und Taucher. Hundert Prozent Vertrauen und ein gute Chemie. So bekommt Laufen auch für den sehenden Begleiter eine neue Dimension.

Soziale Komponente

Doris Pühringer, Sozialpädagogin am Bundesblindeninstitut in Wien, organisiert seit Jahren Lauftreffs für blinde Kinder. "Die soziale Komponente ist neben dem Laufvergnügen ausschlaggebend", betont die Expertin und begreift den Laufsport als Chance für sehende, wie nichtsehende Menschen, sich angstfrei zu begegnen.

Kinderlauf am Samstag

Die Richtung stimmt heuer auf jeden Fall. Der Kinderlauf am 17. Mai steht ganz im Zeichen der Integration behinderter Kinder. Spielen, laufen, oder einfach dabei sein. So wird der Samstag wird sicher ein schöner Tag. (phr)