Ein Corporate Finance Consulter berät Unternehmen bei Fragen zur Finanzierung etwa von Projekten oder auch beim Kauf und Verkauf von Unternehmen. "Da man ja nicht jeden Tag ein Unternehmen kauft, lagern viele Unternehmen diese Finanzberatungen aus", erklärt Gregor Nischer, Gesellschafter bei MP Corporate Finance. Die Finanzierungsberater kämpfen jedoch mit den gleichen Schwierigkeiten wie alternative Geldgeber. "Viele Unternehmen scheuen sich vor dem Hinzuziehen eines Finanzierungsberaters", sagt Nischer zum Standard. Sie würden sich nicht gerne in die Karten blicken lassen. In diesem Punkt gebe es in Österreich "zwei Welten": Die eine ist für Unternehmenskäufe und strategische Finanzberatung offen. Die andere ist dem Thema gegenüber "kategorisch verschlossen". In einigen Fällen könne aber durch die Vorlage international geglückter Finanzierungen überzeugt werden. "So eine Umstimmung ist aber eher die Ausnahme denn die Regel", klagt der Finanzexperte.

"Buy & Build"

Da vor allem kleinere und mittlere Unternehmen in der globalen Welt oft wirtschaftliche Nachteile haben, steige der Konsolidierungsbedarf. Nischer: "Viele Unternehmen wachsen rasch durch Zukäufe, um am Markt kompetitiv zu sein." Auch einige Unternehmen, die heute im ATX, dem Leitindex der Wiener Börse notieren, verdanken ihre Marktposition derartigen "Buy & Build"-Strategien. Als Beispiele nennt Nischer Andritz, Constantia, Böhler-Uddeholm, Polytec oder auch den Ziegelkonzern Wienerberger. Das rasche Wachstum bringt für kleine Unternehmen aber auch Probleme mit sich. "Auf dem Konsolidierungsweg gibt es drei Stolpersteine", erläutert der Finanzierungsexperte. Diese sind:
  • Man kauft das falsche Unternehmen.
  • Man kauft das Unternehmen zu teuer.
  • Man schafft die Integration der gekauften Unternehmen nicht.
"Bei den ersten beiden Punkten kann ein Finanzierungsberater helfen", sagt Nischer. Den dritten Punkt muss das Management hinbekommen. Entscheidend für den Erfolg sei daher eine klare Akquisitionsstrategie und deren konsequente Umsetzung. In Österreich seien es vor allem die Dienstleistungsbranche und die Metall- und Stahlindustrie, die zur Konsolidierung gezwungen seien. Nischer: "Diese Sektoren sind noch sehr mittelständisch organisiert." (Bettina Pfluger, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.5.2008)