Eine Reform des heimischen Gesundheitssystems ist zweifellos dringlich. An sachgerechten Analysen und Vorschlägen herrscht auch kein Mangel. Schade halt, dass es eine so genannte österreichische Lösung wird geben müssen. Also eine, die - große Koalition hin oder her - der Segnung durch die Sozialpartner bedürfen wird. Jener Sozialpartner, die übrigens in die Entscheidungen der Sozialversicherungsträger fest verflochten sind. Es wäre also wenigstens zu erwarten gewesen, dass sie durchgängig an "ihr" Geld - Pardon, das der Beitrags- und fallweise auch Steuerzahler - denken würden.

Heilsame Handelsspanne?

Doch weit gefehlt: Künftig sollen nämlich die Ärzte nicht mehr konkrete Medikamente verschreiben dürfen, sondern nur noch einen Wirkstoff bestimmen. Welches Produkt dann schließlich über den Ladentisch wandert, hätten alleine die Apotheker zu entscheiden. Es soll also - mit den Worten einer verbürgten Redensart (Quellen: Wahrig, Deutsches Wörterbuch; Wahrig, Herkunftswörterbuch; Duden, Redewendungen) - "der Bock zum Gärtner gemacht" werden. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Verfügbarkeit eines Medikamentes in den Regalen einer konkreten Apotheke keine Rolle spielen oder die "Handelsspanne" des Präparates gänzlich außer Betracht bleiben wird?

Abgesehen davon würden dann die diversen Generikaproduzenten mithilfe ihrer Preispolitik bis in die Lagerhaltung der Apotheken einwirken können. Da muss geradezu gehofft werden, dass es zu keinen "unplanbaren" Preissenkungen im Wettbewerb kommt, aber da wird man sich wohl auf das zahnlose österreichische Kartellrecht verlassen haben.

Das Bild rundet sich übrigens durch den so genannten "Arzneimittel-Sicherheitsgurt". Ein Feldversuch dazu läuft seit einigen Monaten in Salzburg: Patienten ermöglichen (noch) freiwillig die elektronische Registrierung aller konsumierten Medikamente, wobei nicht nur die auf Rezept bezogenen, sondern auch die frei gekauften erfasst werden.

Das Ziel sei, dass Arzt und Apotheker online feststellen können, wer, was, wann gekauft - Pardon, verschrieben bzw. verkauft bekommen - hat. Ein Schelm wer unterstellt, dass solche individualisierte Marktdaten nur für's Patientenwohl dienlich sein werden und nicht eventuell auch für "Handel und Industrie". (DER STANDARD, Printausgabe, 16.5.2008)