München/Hamburg - In der Siemens-Schmiergeldaffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" nun auch gegen den früheren Vorstandschef Klaus Kleinfeld wegen des Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflicht. Gegen bis zu zehn ehemalige Topmanager seien entsprechende Ordnungswidrigkeiten- Verfahren eingeleitet worden, darunter auch gegen Kleinfeld, schreibt die Zeitung (Freitag) ohne Angabe von Quellen. Oberstaatsanwalt Anton Winkler wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Einem weiteren Bericht zufolge will sich Siemens zudem nicht vollständig von seiner Problemsparte Siemens Enterprise Communications (SEN) trennen.

Kleinfeld, der in der vergangenen Woche an die Spitze des weltweit drittgrößten Aluminiumproduzenten Alcoa berufen worden war, würde damit wie auch seinem Vorgänger Heinrich von Pierer eine Geldbuße von bis zu einer Million Euro drohen. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft lediglich bestätigt, gegen Pierer wegen des Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflichten nach dem Ordnungswidrigkeiten-Gesetz zu ermitteln.

Abgang im Juli 2007

Kleinfeld hatte im Juli 2007 im Zuge der Schmiergeld-Affäre seinen Hut genommen, obwohl sich keinerlei Hinweise auf eine Verwicklung in die Vorfälle ergeben hatten. Noch im Sommer wechselte er als Chief Operating Officer (COO) in die Führungsspitze von Alcoa. Vorher saß er bereits seit mehreren Jahren im Verwaltungsrat des US-Konzerns.

Dem Branchenumfeld zufolge will sich Siemens nicht vollständig von seiner Problemsparte Siemens Enterprise Communications (SEN) trennen. Ein entsprechender Bericht der "Financial Times Deutschland" (Freitag) treffe zu, hieß es am Donnerstag aus den Kreisen. "Die Siemens AG ist bereit, die kommende Transformation des Geschäfts zu begleiten, indem sie eine Beteiligung an dem Unternehmen in seiner zukünftigen Form halten wird", habe Finanzvorstand Joe Kaeser in einem Brief Ende April an Kunden der SEN geschrieben, hieß es in der Zeitung weiter.

Siemens werde auch sicherstellen, dass neue Produkte weiterentwickelt und die bestehenden Telefonnetze der Kunden auf künftige Lösungen migriert werden können. Ein Siemens-Sprecher sagte auf Anfrage lediglich, "dass Unternehmen befindet sich mit verschiedenen Interessenten in Verhandlungen, die weit gediehen sind." Darüber hinaus wollte er sich nicht äußern.

Mit dem Schreiben will der Siemens-Finanzchef der Zeitung zufolge Kunden der SEN-Unternehmensnetze beruhigen, die infolge des seit zwei Jahren dauernden Verkaufsprozesses verunsichert sind und abzuspringen drohen. Kaeser habe angestrebt, eine Einigung mit einem Käufer bis Ende April zu erzielen. Nun ziehe sich der Prozess wegen seiner Komplexität abermals länger hin. In Siemens-Kreisen werde bestenfalls mit einem Abschluss in diesem Sommer gerechnet. Als Favorit gelte der US-Investor Cerberus, der auf Restrukturierungsfälle spezialisiert ist.

Auch der kanadische Konkurrent Nortel solle noch im Rennen sein. Gehe SEN an einen Finanzinvestor, würde Siemens einen Minderheitsanteil an SEN behalten. Bei einem Verkauf an einen strategischen Käufer wie Nortel sei geplant, dass Siemens an diesem Anteile erwirbt. Siemens hat für die hoch defizitäre Sparte im Februar einen weitreichenden Umbau initiiert. Dabei sollen - durch den Verkauf von Werken oder Abbau - 6.800 der weltweit 17 500 Stellen wegfallen. Dies hat Siemens allein im zweiten Geschäftsquartal mit 109 Mio. Euro belastet. Siemens räumte jüngst ein, durch den Verkauf von SEN einen "erheblichen Verlust" zu erwarten. (APA/dpa)