Colombo - Ein vermutlich tamilischer Selbstmordattentäter hat in Sri Lanka zehn Menschen mit in den Tod gerissen. Unter den Toten seien acht Polizisten, berichteten Ärzte am Freitag. Mehr als 85 Personen seien bei dem Anschlag in einem Geschäftsviertel der Hauptstadt Colombo verletzt worden.

Der Attentäter war nach Angaben der Streitkräfte mit einem Motorrad in einen Polizeibus gerast. Der Anschlag wurde in einer besonders gesicherten Zone verübt, in der auch das Präsidialamt und das Hauptquartier des Militärs liegen. Die Armee machte die für einen eigenen Staat kämpfenden Tamilen-Tiger für den Anschlag verantwortlich. Eine Stellungnahme der Rebellen, die die Vorwürfe der Regierung gewöhnlich ablehnen, lag zunächst nicht vor. Seit Beginn des Bürgerkriegs vor 25 Jahren sind auf der Insel schätzungsweise 70.000 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen.

Präsident Mahinda Rajapaksa verurteilte den Anschlag. Die Tat zeige einmal mehr, wie sehr die Tamilen-Tiger auf Gewalt setzten, um ihre Ziele zu erreichen.

Luftangriffe

Wenige Stunden zuvor hatte die srilankesische Luftwaffe im Norden des Landes wieder vermutete Stellungen der LTTE angegriffen. Bei Kämpfen am Donnerstag wurden zudem 27 Rebellen und zwei Soldaten getötet, wie die Streitkräfte mitteilten. Eine Bestätigung für die Angaben gab es zunächst nicht. Die Befreiungstiger kämpfen seit 1983 für die Unabhängigkeit der Tamilen auf Sri Lanka. Rund 75.000 Menschen wurden dabei seither getötet.

Die Regierung von Sri Lanka hatte Mitte Jänner einen 2002 geschlossenen Waffenstillstandsvertrag mit den Tamilen-Rebellen aufgekündigt, der zuletzt immer brüchiger geworden war. Die Armee versucht seitdem, die Separatisten militärisch zu besiegen. Diese fordern einen eigenen tamilischen Staat im Norden und Osten der Insel.

Im früheren Ceylon, das zunächst von den Portugiesen, dann von den Niederländern und ab Ende des 18. Jahrhunderts von den Briten kolonisiert wurde, stellen die großteils buddhistischen Singhalesen mit mehr als 70 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe. Die mehrheitlich hinduistischen Tamilen sind mit 18 Prozent Bevölkerungsanteil die größte Minderheit.

Die im 19. Jahrhundert zugewanderten Indien- oder Kandy-Tamilen wurden von den britischen Kolonialherren als Arbeitskräfte auf den Teeplantagen beschäftigt, während die Ceylon-Tamilen von der Kolonialmacht vor allem in der Verwaltung eingesetzt und dabei gegenüber den Singhalesen bevorzugt wurden. Nach der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien 1948 führte dies zu starken Antipathien zwischen den Bevölkerungsgruppen. (APA/Reuters/AP/dpa)