Wien/Bonn - In Bonn kommen Vertreter aus 190 Ländern zusammen, um über die Erhaltung der Biodiversität zu beraten. Bei der UNO-Konferenz soll auch der Boden für ein völkerrechtliches Abkommen bereitet werden, das in zwei Jahren beschlossen werden könnte. Rund 5.000 Teilnehmer sollen nach Bonn kommen, um bis 30. Mai darüber zu beraten.

Während der Klimawandel in den vergangenen Jahren im Zentrum der weltweiten öffentlichen Debatte stand, kann sich der Artenschutz, der eine mindestens gleich große Herausforderung darstellt, über eine solche Aufmerksamkeit nicht freuen. Den politischen Akteuren stehen zudem weniger Steuerungsinstrumente zur Verfügung. Während der weltweite CO2-Ausstoß im Kyoto-Protokoll völkerrechtlich verbindlich bis 2012 klare Grenzwerte bekommt, gibt es für den Erhalt der Artenvielfalt kein derartig verbindliches Abkommen, sondern lediglich den Beschluss aus 2002, die Geschwindigkeit, mit der die Arten von der Erde verschwinden, bis zum Jahr 2010 "signifikant zu reduzieren".

Report

In Bonn soll nun erörtert werden, wie die weitere Zerstörung von Biosphären wie Wäldern und Meeren wirksam gebremst werden kann. Ähnlich wie der "Stern"-Report in der Klimaschutzdebatte soll eine von der deutschen Bundesregierung in Auftrag gegebene Untersuchung über die weltwirtschaftlichen Kosten der Naturzerstörung den Umweltschützern gewichtigere Argumente in die Hand geben. Der Brite Nicholas Stern, ein ehemaliger Chefökonom der Weltbank, hatte im Jahr 2006 in einem 700-Seiten starken Bericht davor gewarnt, dass der Klimawandel zwischen fünf und 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts auffressen könnte und damit für Aufregung gesorgt.

Mannigfaltige Bedrohung

Das Thema Artenschutz könnte eine derartige Aufmerksamkeit ebenfalls brauchen: Die Zeit drängt, denn selten ist die Biodiversität so mannigfaltig bedroht gewesen wie heute. Laut einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sind etwa 30 Prozent der Amphibien, 23 Prozent der Säugetiere und zwölf Prozent der Vögel vom Aussterben bedroht. Immer kritischer wird zudem von Umweltschützern der durch steigende Rohölpreise boomende Anbau von Energiepflanzen für Biosprit beurteilt. Die Folge seien noch größere Monokulturen und das Abholzen von Regenwäldern zugunsten von Palmölplantagen, so der Tenor der Gegner. Im Konkurrenzkampf zwischen Energie- und Futterpflanzen werden zudem die Ackerflächen auf bisher brachliegendes Land ausgeweitet.

Die mittlerweile neunte Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt geht zurück auf den Erdgipfel von Rio de Janeiro im Jahr 1992, wo der Grundstein für drei wichtige Konventionen gelegt wurde: Die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die Wüstenkonvention und eben das Artenschutzübereinkommen, die auf Englisch "Convention on Biological Diversity" (CBD) genannt wird. (APA)