Angezählt war Wolfgang Ziebart schon seit Monaten. Auf der Hauptversammlung im Februar hielt ihm Infineon -Aufsichtsratschef Max-Dietrich Kley vor Tausenden von Aktionären vor, er strenge sich nicht genug an bei der Sanierung des Chipkonzerns. Da gab sich Ziebart noch unverdrossen: "Wir sind noch nicht am Ende unserer Kärrnerarbeit." Doch die Querschüsse aus dem Aufsichtsrat des Halbleiterkonzerns nahmen kein Ende. Nun wirft Ziebart nach Informationen aus Kreisen endgültig das Handtuch.

Große Erfahrung

Trotz großer Erfahrung und obwohl er gelegentlich auch Härte zeigte, gelang dem 58-jährigen die Sanierung des Chipherstellers nicht. Im September 2004 kam er vom Autozulieferer Continental zurück nach München, um endlich ein großes Unternehmen von der Spitze her zu führen.

Freundliche Art

Bei den Mitarbeitern ist Ziebart geachtet, auch wegen seiner freundlichen Art. "Was soll man ihm denn vorwerfen? Vielleicht fehlende Fortune?", fragt ein Angestellter. Seit dem Amtsantritt Ziebarts hat das konjunkturanfällige Unternehmen keinen Gewinn mehr geschrieben, und alle Ankündigungen verpufften. In etwas besseren Zeiten hatte er vor gut einem Jahr vorausgesagt, dass Infineon bis Herbst 2009 ohne die - bis dahin verkaufte Speicherchiptochter Qimonda - eine operative Rendite von zehn Prozent erreichen. Schon im Winter war er davon wieder abgerückt. Entgegen früherer Versprechen ließ sich auch das Segment Telekommunikationschips im laufenden Geschäftsjahr nicht in die schwarzen Zahlen bringen. Der Aktienkurs rauschte in Regionen nahe des Tiefstands von 2002.

Viele Hebel in bewegung gesetzt

Dabei hatte Ziebart viele Hebel in Bewegung gesetzt, um die einstige Siemens-Tochter rentabel zu machen. Umgehend kündigte er das Ende des Infineon-Stammhauses in München-Perlach an. Der anschließende Arbeitskampf mit den 800 Beschäftigten erschreckte selbst Gewerkschafter, die "bürgerkriegsähnliche Zustände" an den Werkstoren sahen. Doch der frühere BMW-Manager ließ sich nicht in die Knie zwingen. Ziebart verstärkte die Fertigung in Asien und stockte die Auftragsproduktion außer Haus auf.

Der Mühlstein am Hals

Schließlich trennte er formal das Speicherchipgeschäft ab, das wie ein Mühlstein am Hals von Infineon hing. Mit großer Mühe hievte er Qimonda zusammen mit Finanzvorstand Peter Fischl an die New Yorker Börse - und blieb auf der Mehrheit der Anteile sitzen. Die Preise für DRAM-Chips gingen in den Sturzflug über. Die Verluste von Qimonda übertrafen zeitweise deren Umsatz. Ein Käufer fand sich nicht. Verzweiflung machte sich breit: Ziebart ließ sich genehmigen, Qimonda-Aktien an seine Aktionäre verschenken zu dürfen, nur das eigene Zahlenwerk von der Tochter zu befreien. Zunächst führten Abschreibungen auf Qimonda indes zu einem Milliardenverlust.

Sehr schwierig

Einen Nachfolger für Ziebart außerhalb des Unternehmens zu finden, dürfte für Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley in der Lage von Infineon sehr schwierig werden, so dass es auf Vorstand Peter Bauer hinauslaufen dürfte. Als Ziebarts Vorgänger Ulrich Schumacher zurückgetreten war, musste Kley vorübergehend sogar selbst in die Bresche springen.

Mit seiner Personalauswahl hatte der frühere BASF-Finanzvorstand Kley bei Infineon wenig Glück. Die viermonatige Episode von Rüdiger Günther als Finanzchef kostete das Unternehmen 1,2 Mio. Euro an Abfindung.(APA/Reuters)